27.07.19 Pyraser Classic Rock Night

Pyras, Bayern

Am Samstag, den 27.07.19, wurde zum elften Mal die „Pyraser Classic Rock Night“ veranstaltet. Rund 3000 Gäste verbrachten einen stimmungsvollen Tag im alten Brauereigutshof des fränkischen Örtchens Pyras. Heiße Sommertemperaturen, kühles Brauereibier, gemütliches Ambiente, gute Gesellschaft und erstklassige Livemusik bildeten die Grundlage für dieses außergewöhnliche Rockfestival. Mal ganz ehrlich: Was braucht man mehr zum Glücklichsein? 🙂

Das Line-Up konnte sich auch in diesem Jahr mehr als sehen lassen: Human Touch, Talon, Thundermother, Kissin‘ Dynamite, UFO, Glenn Hughes performs Classic Deep Purple, Rose Tattoo und Brian Downey’s Alive & Dangerous! Wow!

Als die deutsche Heavy-Metal-Band Talon um 13:00 Uhr den Festivaltag eröffnete, befanden sich schon sehr viele Besucher auf dem Gelände, die mit den ersten hörbaren Tönen der Band zur Bühne stürmten – selbstverständlich mit einem Pyraser Bier in der Hand. Schon zu Beginn war die Stimmung also bestens, was sich den kompletten Tag über nicht änderte.
Ich nutzte die Spielzeit der Eröffnungsband aus, um das Gelände zu erkunden und entspannt von A nach B zu schlendern. Bei diesem Event wurde den Besuchern nicht nur Livemusik in der überdachten Scheune geboten, man konnte an kleinen Ständen nach Schmuck, Bandshirts, etc. stöbern und für das leibliche Wohl wurde ebenfalls gesorgt: Köstliches Brauereibier, exotische Cocktails und verschiedene alkoholfreie Getränke, aber auch Eis, Pommes, Burger, Steaks, Bradworschd, Brezn, u.v.m.
Wer die Bands nicht direkt vor der Bühne in der Scheune sehen wollte, konnte im Innenhof auf einer der vielen Bierbänke und Sitzgelegenheiten platznehmen und die Musik aus einer kurzen Distanz verfolgen. Von hier hatte man immer noch einen guten Blick auf die Bühne, konnte sich aber auch ganz entspannt nebenbei mit seinen Freunden unterhalten.

Für mich ging es als nächstes vor die Bühne in die zweite Reihe, denn es sollten nun Thundermother spielen. Ich hatte schon viel Gutes von den schwedischen Rock ‘n‘ Roll Ladies gehört und hatte deshalb gewisse Erwartungen. Schon beim Opener „Whatever“ breitete sich ein Grinsen in meinem Gesicht aus, denn die Energie und gute Laune der Mädels steckte sofort an! Dass eine Band so extrem motiviert auf die Bühne tritt, ist heutzutage leider nicht die Norm. Umso schöner war es für mich zu beobachten, dass diese vier Powerfrauen genau wussten, was sie taten und wie sie das Publikum begeistern konnten. Ihre Songs, beispielsweise „Revival“, „Hellevator“ und „Quitter“, haben es faustdick hinter den Ohren und lassen keinen Fuß still stehen. Man muss sich als Besucher einer Thundermother-Show einfach bewegen – man wird mitgerissen und das macht großen Spaß!

Nachdem die Mädels ihr Set nach einer Stunde beendeten, waren wir alle ziemlich fertig und verausgabt. Viel Zeit zum Runterkommen gab es allerdings nicht, denn die nächste Band im Programm war Kissin‘ Dynamite. Wer mich und no boots, no love kennt, weiß, dass ich diese Band abfeiere! 😉 Als die fünf jungen Männer aus dem Schwabenland um Punkt 16:00 Uhr die Bühne betraten, jubelte das Publikum bereits so laut, als hätte die Band gerade eine ausverkaufte Headliner-Show gespielt und man verlangte die Zugabe! Wow, was für ein Empfang! Kein Wunder, dass sich bereits jetzt eine intensive Gänsehaut auf meinen Armen ausbreitete…
Sänger Hannes verkündete schon nach kurzer Zeit, wie viel Bock die Band auf das Konzert hatte und dass sie sich sehr geehrt fühlten, die einzige Band zu sein, die bereits vier Mal für die Pyraser Classic Rock Night gebucht wurde. Das spricht für sich, denke ich! 😉 Kissin‘ Dynamite sind dafür bekannt, dass sie die Konzertbesucher live mit ihrer Performance und Spielfreude überzeugen. So war es auch bei dieser Show der Schwaben. Die KD-Fans vor Ort kannten die Performance natürlich von den vergangenen Konzerten und wussten, was sie erwartet, aber das wirkte sich nicht negativ aus. Die einstudierten Choreografien und Ansagen der Band funktionieren gut und überzeugen jedes Mal neue Leute, die hinterher total begeistert sind und wiederkommen möchten. KD lassen nichts anbrennen und geben immer 100%. Bei dieser Show in Pyras haben sie sich aber selbst übertroffen! Man ist es gewohnt, dass Gitarrist Jim und Bassist Steffen auf der Bühne Faxen machen und sich gegenseitig necken, aber diesmal waren auch die restlichen Bandmitglieder sehr aktiv und lustig drauf. Gitarrist Ande schäkerte mit dem Publikum, Schlagzeuger Andi zog verrückte Grimassen während des Spielens und Hannes ging in seiner Rolle als König beim Song „I Will Be King“ auf und hatte Spaß daran, den bandeignen Videografen Niklas (MOTIViert) mit seinem Zepter zu kommandieren. Die Jungs hatten so viel Energie in sich, die bei einer Spielzeit von 75 Minuten nicht nachließ und eher noch von Song zu Song intensiver wurde. Die drei Saiten-Instrumentalisten sprangen von ihren hohen Podesten und Hannes kletterte auf seinen Thron, um von dort im Stehen zu singen. Wenn ihr mich fragt, kann man sich auf einem Kissin-Dynamite-Konzert nicht langweilen! Hier wird so viel geboten, das man erst einmal eine Weile braucht, um alles zu verarbeiten. Auch songtechnisch kamen wir alle auf unsere Kosten: „I’ve Got The Fire“, „Sex Is War“, „Love Me Hate Me“, „ – Ein Hit jagte den anderen und sorgte für jede Menge gute Laune.

Nach dieser fulminanten Show gönnte ich mir ein kühles Getränk und besorgte mir etwas zum Essen. Ich schlenderte zur Biergartenbühne, auf der den ganzen Tag über die Band Human Touch spielte und fand Gefallen an ihrer Musik. Das Rock-Trio spielte Klassiker aus den 60er und 70er Jahren und brachte das Woodstock-Feeling zurück. Durchaus lag hier vor Ort ein positives und intensives Gefühl von Freiheit in der Luft: Die Leute tanzten im Regen barfuß auf dem Rasen – vollkommen in der Musik verloren.

Der Regen hielt nicht lange an. Hier gab es so viele „good vibes“, dass sich die Sonne schnell wieder blicken ließ und keine schlechte Laune aufkam. Als nächstes spielte die britische Rockgruppe UFO auf der Hauptbühne. Das Quintett feierte 50 Jahre Bandbestehen und wurde von den Festivalbesuchern würdig bejubelt. Dennoch sah man den Musikern ihr Alter an – vor allem im Vergleich zu den energiegeladenen jungen Bands, die vor ihnen spielten. Die Band möchte Ende 2019 nicht mehr auf Tour gehen. Die Gründe hierfür liegen nahe. Das spürte auch das Publikum und zelebrierte das Konzert der alten Herren würdig.

Während nun das Solo-Projekt von Glenn Hughes (Deep Purple) startete, entdecke ich die Jungs von Kissin‘ Dynamite auf dem Festivalgelände. Nach und nach versammelte sich die komplette Band vor dem Merchandising-Stand und kam mit Fans und Freunden ins Gespräch. Ich freute mich, endlich einmal wieder entspannt das ein oder andere Wort mit der Band wechseln zu können, da das mit zunehmendem Bekanntheitsgrad immer schwieriger wird. Seit ihrer Tour zum aktuellen Album „Ecstasy“ gibt es nämlich teure VIP-Tickets, die es dem Käufer u.a. ermöglichen, die Band in einer gemütlichen Atmosphäre vor der Show zu treffen. Mir persönlich gefällt das Konzept solcher VIP-Tickets nicht, aber ich kann Fans durchaus verstehen, die sich ein Ticket kaufen, um ihre Idole aus der Nähe zu treffen.
Als ich mit allen fünf KD-Bandmitgliedern gequatscht hatte, war Glenn Hughes bereits fertig mit seiner Performance. Nun war es an der Zeit für den Headliner des Abends: Keinen geringeren als die australische Rock ‘n‘ Roll Legende Rose Tattoo! Ihr könnt euch sicherlich vorstellen, dass es in der Scheune und auch davor von Fans wimmelte. Jeder wollte den Headliner sehen und mit den Legenden abrocken, die zeitweise schon bei AC/DC (Mark Evans 1975-1977) spielten. Klar, dass Songs, wie „Bad Boy for Love“, „Rock ’n‘ Roll Outlaw“ und „Nice Boys“ in der Setlist nicht fehlen durften. Beim letzteren Song holten sich die Australier sogar Verstärkung auf die Bühne: Die Ladies von Thundermother. Sofort war die Show viel energiegeladener! Es machte einfach nur Spaß, den Musikern auf der Bühne zuzugucken. Long live Rock ‘n‘ Roll!

Gegen 23:30 Uhr ging nicht nur Rose Tattoo von der Bühne, auch ich beschloss, den Abend an dieser Stelle zu beenden. Als nächste und letzte Band sollte zwar noch Brian Downey’s Alive & Dangerous spielen, aber mir reichte es. Ich war bereits um 6:00 Uhr aufgestanden und hatte eine lange Anreise hinter mir, die sich an diesem Punkt bemerkbar machte. Mit einem zufriedenen Lächeln auf den Lippen rief ich ein Taxi und fuhr zur Unterkunft. Die Pyraser Classic Rock Night war ein voller Erfolg und wird mir noch lange sehr gut in Erinnerung bleiben. Ich kann dieses Event jedem wärmstens empfehlen! Aber überlegt nicht zu lange, denn die Tickets sind knapp und schnell ausverkauft.

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