Full Circle – Last Exit Rock’n’Roll

Ein Film von Andy Brings in Zusammenarbeit mit Popo Chanel, Alexander Waldhelm und Jan Weiner

Filmtrailer:
https://www.youtube.com/watch?v=pbe9ewDB4NE

Es liegt nun bereits mehrere Wochen zurück, seitdem die Dokumentation „Full Circle“ in den Kinos ausgestrahlt wurde. Andy Brings, der Hauptdarsteller des Ganzen und Sänger der Band Double Crush Syndrome, erzählt über die Höhen und Tiefen seiner Karriereleiter.
Stell dir folgendes einmal vor: Du bist ein Gitarrist einer erfolgreichen Metalband und hast das große Privileg, deinen Traum zu leben. Mit einem Mal bekommst du einen Anruf, der alles verändert. Der Traum ist geplatzt und was zurück bleibt, ist ein unvollendeter Kreis. Nun gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder du bleibst am Boden und nimmst es hin, oder du stehst wieder auf und arbeitest hart daran, diesen Kreis Stück für Stück wieder zu schließen. Andy entschied sich für die zweite Möglichkeit. Neben ihm haben auch viele weitere Künstler oder Leute der Branche das Wort, darunter die Metal-Queen Doro Pesch, Tom Angelripper und Skid Row, um nur einige zu nennen.

Am 20. September 2018 um 20:00 Uhr war es dann endlich soweit. Gespannt saßen die Kinobesucher zur selben Zeit in allen möglichen Städten Deutschlands in ihren Sitzen, genossen ihr Popcorn und ließen die Werbung über sich ergehen, bis man die harten und für eine Kinovorstellung recht unüblichen Klänge des Filmopenings vernahm.

Fazit:
Der Film tut genau das, für was er ursprünglich gedacht war. Er inspiriert den Zuschauer, in sich zu gehen und seinem Traum nachzujagen, auch wenn dies bedeutet, einen harten Weg, mit vielen Hindernissen einzuschlagen. Anders wie bei gestellten Hollywoodstreifen und surrealen Animationsfilmen, sehen wir in dieser Dokumentation das wahre Leben eines Mannes, der trotz zahlreicher Niederlagen immer wieder aufsteht, weiterkämpft und schlussendlich das erreicht, wofür er so hart gearbeitet hat. Durch zahlreiche Anekdoten aus dem Leben, versetzt sich der Kinobesucher schnell in die Lage des Protagonisten Andy Brings und kann sich mit ihm identifizieren. Die Gespräche mit den zahlreichen Künstlern wirken ehrlich und geben „Full Circle“ die notwendige Glaubhaftigkeit, um dem Zuschauer zu zeigen, dass jeder von ihnen alles auf sich genommen hat, um seine Träume leben zu können. Die Tatsache, dass Brings es tatsächlich geschafft hat, seinen Kreis zu vervollständigen, gibt dem Zuschauer ebenfalls den Mut, den er braucht, das in seinen Augen Unmögliche mit viel Willenskraft, Motivation und Herzblut möglich zu machen und so seinen eigenen, ganz persönlichen Kreis zu schließen.

Andy Brings stand uns für ein kurzes Interview zur Verfügung.

NBNL: Wie würdest du nachträglich die Resonanz der Leute auf den Film beurteilen?

Andy Brings: Die Reaktionen der Leute auf „Full Circle“ sind inhaltlich und auch mengenmäßig unfassbar! Was da auf uns eingeprasselt ist, bedeutet uns alles und berührt uns sehr – so, wie der Film offensichtlich die Leute berührt hat. So tolle, lange Mails, in denen uns Leute schreiben, wie sehr sie der Film geflasht und gecatcht hat und dass sie das Gefühl haben, einen Tritt in den Hinter gekriegt zu haben, oder sich bestätigt fühlen. Meine Lieblingsreaktion ist von einem Jungen aus Berlin: Er hat mir geschrieben, dass er durchgehangen hat, aber der Film ihm in den Arsch getreten hat, sodass er nach drei Monaten angefangen hat, Bewerbungen zu schreiben und eine Woche später einen neuen Job anfangen konnte.

NBNL:  Wie kam das Interview mit Tom Angelripper zustande? War es schwer für dich, ihm für die Dreharbeiten gegenüber zu treten und ihm deine Gefühle über den Rausschmiss aus der Band zu offenbaren?

Andy Brings: Das Interview mit Tom Angelripper kam ganz einfach zustande: Ich habe ihn angerufen und gefragt 😉 Wir sind ja schon seit vielen Jahren wieder befreundet und haben schon mehrfach zusammengearbeitet. Da ist im Umgang alles easy! Nur über die Vorgänge damals haben wir nie gesprochen bis die Kameras dann im Februar diesen Jahres liefen… bei -20°C in seinem Jagdrevier. Und das war ganz gut, weil wir keine inhaltliche Vorbelastung und kein Script hatten und haben einfach mal darüber gesprochen. Es ist ja im Alltag heute gar kein Thema mehr zwischen uns, aber im Zuge des Films, um aufzuarbeiten, was für mich der Motor war und daraus Dinge abzuleiten, dafür war es sehr wichtig.

NBNL: Hast du dir hin und wieder einmal Gedanken darüber gemacht, was passiert wäre, wenn du nach dem verheerenden Anruf aufgegeben hättest und deinen Fuß nicht in die Rock’n’Roll-Tür gestellt hättest?

Andy Brings: Ich habe schon lange nicht mehr darüber nachgedacht, was aus mir geworden wäre, wenn ich mit der Musik aufgehört hätte, aber ich glaube, das war nie ein Thema. Ich habe nach Sodom mal ganz kurz nebenbei versucht, ein Lehramtsstudium aufzunehmen, aber da habe ich in der Uni ganz schnell gemerkt, dass ich das nicht bin. Das war ein klassischer Fall von Aktionismus: Ich lauf jetzt mal nach rechts, um zu gucken, was da so ist, obwohl ich weiß, dass ich einfach nur nach links weiterlaufen muss. Und so war’s dann! Bauch und Herz wissen sowieso immer Bescheid, der Kopf meint manchmal kurz, sich durchsetzen zu müssen, aber das ist nicht schlimm. Das war eben Aktionismus, den ich aber nicht bereue. Dafür hat’s nicht lange genug gedauert. Ich habe ganz schnell gemerkt, hier an der Uni ist meines Bleibens nicht länger.

NBNL: Hat sich der Kreis mit der Skid Row-Tour endgültig für dich geschlossen, oder ist es eher so, dass sich durch die Schließung ein neuer, unvollendeter Kreis aufgetan hat?

Andy Brings: Der Kreis hat sich mit der Skid Row-Tour insofern geschlossen, dass da wirklich ein Gefühl sich bewahrheitet hat – also die Selbstzweifel. Die haben sich mit all diesen Dingen quasi erledigt. Das war der letzte Deckel, der noch drauf musste, um zu wissen, dass man richtig ist. Man hadert ja doch immer mit sich selbst, auch nach 30 Jahren noch und man ist nie frei von Selbstzweifeln. Auch, wenn ich sehr sicher bin, die Momente waren nicht selten in den letzten 30 Jahren, wo ich dachte „Ey, was mache ich hier? Was soll das?“, aber im Grunde genommen heißt es auch da: Bauch und Herz wissen es besser, der Kopf wirft halt solche Fragen ab und zu auf. Aber der Kreis ist nach wie vor offen an vielen Stellen und es geht weiter. Und das ist das Schöne, das sagen wir auch im Film, dass man nie irgendwie ankommt. Der Punkt, wo man ankommt, sich zurücklehnt und sagt „Jo! Das war’s. Da kann man aufhören“, das ist Aufgabe. Langweilig ist mir nicht, im Gegenteil. Ich habe das Gefühl, jetzt geht’s erst richtig los. Aber das ist ganz cool, dass ich durch den Film auf ein paar Dinge den Deckel draufmachen konnte, aber den Deckel kann man ja immer wieder hochnehmen und in den Topf reingucken. Es ist alles im Fluss und es ist alles gut und richtig und schön und es ist alles viel. Viel Arbeit, aber davor habe ich noch nie Angst gehabt und so geht’s weiter. Busy, busy busy! 😉