17.11.17 Fozzy + Hardcore Superstar

Hamburg, Grünspan

  • Madame Mayhem
  • The Last Band
  • Fozzy
  • Hardcore Superstar

Immer wieder ziehen uns verschiedene Gründe nach Hamburg. Meistens sind es großartige Konzerte, die schon so manche Heavy Metal Geschichte geschrieben haben. Dieser Abend wird vielleicht nicht in die großen Geschichtsbücher eingehen, aber trotzdem war es super geil!!! 😉

Auf dem Programm stand: 1 Abend, 4 Bands, frühe Einlasszeit um 18:00 Uhr und eine gut gefüllte Location (allerdings nicht ausverkauft). Wir kamen mit gemischten Gefühlen zu diesem Konzert. Zum einen freuten wir uns riesig auf Hardcore Superstar, die wir bereits auf der Gotthard Tour 2014 live miterlebt haben, zum anderen waren wir sehr gespannt auf Fozzy, von denen wir einige negative Kritiken aufgeschnappt haben. Die anderen beiden Bands waren uns überhaupt nicht bekannt, umso spannender war es für uns herauszufinden, wen sich die beiden großen Bands für diese Tour ausgesucht haben.

Der Opener des Abends war Madame Mayhem, eine Hard Rock/ Alternative Band aus New York (Manhattan) mit einer sehr energiegeladenen Frontfrau am Mikrofon. Mit ihrer sogenannten „In your face“-Attitude überbrückte sie die Pausen und animierte die Konzertbesucher zum Tanzen und Mitsingen. Stellt euch vor, ihr befindet euch im Badezimmer und wollt euch fertig machen. Ihr hört nebenbei Radio und auf einmal wird tatsächlich euer Lieblingssong gespielt! Vor Freude, dass euer Tag so gut anfängt, singt ihr mit, benutzt eure Haarbürste als Mikro und tanzt wild und ungehemmt durch die Wohnung. So viel Spaß schien auch diese Powerfrau auf der Bühne zu haben. Eine sehr sympathische Band, die zudem auch noch musikalische Reize hat. 🙂

Foto: Ina Sieg

Das war schon mal ein guter Anfang. Nach einer kleinen Umbaupause ging es direkt weiter mit The Last Band. Hierbei handelt es sich um eine schwedische Band, die laut ihrer Aussage zum Harcore/ Punk/ Hardrock einzuordnen ist. Jedes Bandmitglied wirkte auf seine eigene Art sehr sympathisch, wie z. B. der Drummer mit seinen verschieden lang abgeschnittenen Hosenbeinen, oder der über den ganzen Körper tätowierte, interaktive Sänger. Wie dem auch sei. Es ist auf jeden Fall gute Musik für alle Liebhaber der etwas härteren Richtung und das galt für eine Menge Leute im Publikum, denn die Halle füllte sich immer mehr. In der ersten Reihe befand sich sogar ein Fan, der sich extra für diese Band auf den Weg gemacht hatte und nach dem Auftritt in die hinteren Reihen auswich. Wir entschieden uns dafür, noch ein bisschen vorne zu bleiben.

Vorne sammelten sich immer mehr Fozzy Fans, wie man an den Bandshirts unschwer erkennen konnte. Alle warteten gespannt, während mit Hilfe von Charthits der 90er Jahre versucht wurde, die Stimmung weiter anzuheizen. Dann wurde das Licht schummrig und zu einer epischen Melodie betraten Fozzy die Bühne und eröffneten ihren Teil des Abends mit dem Song „Judas“. Das Publikum war aus dem Häuschen. Der Sänger, Chris Jericho, präsentierte sich auf einem Podest in der Mitte der Bühne. Was ein Wrestler während eines Kampfes nicht an Kleidung und Accessoires tragen darf, wird bei einem Heavy Metal Konzert nach Fozzy-Art wieder wettgemacht. Eine mit unzähligen Nieten besetzte Jacke, ein Haarreifen (damit die Strähnchen nicht ins Gesicht fliegen) und – was ist besser als ein Glitzerschal? Richtig! Zwei Glitzerschals. 😉 Das Gesamtwerk wirkte dann eher fabulous als glamorous. Gerade bei diesem Auftritt fiel uns vorne der schlechte, unklare Sound leider sehr intensiv auf, aber die Fans störte es keineswegs, denn sie waren textsicher ab der ersten Minute. Während einer kleinen Gesangspause erklärte uns Chris, dass er schon mehrere Male in Hamburg war und er immer nur positive Eindrücke von dieser Stadt mitgenommen hat. „Hamburg was always a Fozzy town“, verkündete er mit einem breiten Lächeln vor der jubelnden Masse. Auch die weiteren Bandmitglieder fielen positiv auf. So tauschte Gitarrist Rich Ward, aka The Duke, gerne mal die ein oder andere amüsante Geste mit einer Person im Publikum aus, sei es ein nettes Lächeln, Augenzwinkern oder ein Zunicken. Zudem trug er ein Blondie-Shirt, was wir ziemlich cool fanden. B-) Der Bassist Paul Di Leo hat einen langen Lebenslauf, was seine Musikkarriere anbelangt. Somit haben wir erfahren, dass er unter anderem der Bassist von Nena ist, die ihn an diesem besagten Abend noch überrascht hat. Das war wohl auch für die Band ein ganz besonderer Abend. Besonders haben es uns die Songs „Do You Wanna Start A War“, „Lights Go Out“ und „Bad Tattoo“ angetan. Schnelle Powersongs, die den einen oder anderen Konzertbesucher headbangen ließ. Auch diejenigen, die die Fozzy Songs noch nicht kannten, konnten schnell in den Gesang mit einstimmten und gemeinsam mit den Fans rocken. Eine große Überraschung war der achte Song in der Setlist. Er beginnt mit einem melancholischen Gesangsintro und geht dann über zur Strophe, die wirklich jeder mitsingen kann: „So when you’re near me, darling can’t you hear me, SOS”. Ein schöner ABBA Titel, der sehr unerwartet kam, aber das hat den Moment geradezu perfekt gemacht. Den Abschluss machte dann „Sandpaper“, bei dem nochmal die letzte Energie herausbrechen durfte und Fozzy die letzten Minuten im Rampenlicht genossen.

Leider hatten wir zu Beginn nicht die beste Meinung von Fozzy. Uns wurde zugetragen, sie wären arrogant und egoistisch, besonders der Sänger. Letztendlich sollte niemand auf solche Dinge hören und sich lieber unvoreingenommen ein eigenes Bild dazu machen. Uns ist Fozzy absolut nicht negativ aufgefallen. Die Bandmitglieder haben super zusammen harmoniert und sich gegenseitig respektiert. Es gab kein Dominanzverhalten untereinander und auch nicht gegenüber dem Publikum. Sogar Jerichos Podest wurde brüderlich geteilt. 😉 Wir sind bereits am überlegen, ob wir uns für die bevorstehende Steel Panther Show Tickets kaufen… zum einen wegen Steel Panther, aber hauptsächlich wegen Fozzy! 😀

Foto: Ina Sieg

Das war ja schon mal ein heißer Abend mit super Stimmung, Überraschungsmomenten und positiven Eindrücken, aber das war noch nicht alles. Zum Schluss spielte die schwedische Sleaze-Metalband Harcore Superstar, an die wir große Erwartungen hegten und die zu unserer vollsten Zufriedenheit erfüllt wurden. Die Transparente vor den Verstärkern waren zwar noch verhangen, aber trotzdem ließen einige Lücken auf ein grandioses Bühnenbild schließen. Und tatsächlich! Die „Have Mercy On Me“-Animation war darauf abgebildet und unter dem Backdrop stand unter dem Bandnamen der Satz: „You can’t kill Rock’n’Roll!“. Eine schöne Aussage, die so einiges zum Programmverlauf spekulieren ließ. Es wurde eingestimmt mit den Songs „Beg For It“ und „Liberation“, bevor es dann richtig los ging mit „My Good Reputation“. Wer also bis zu Fozzy noch nicht so ganz aufgewacht war, war es aller spätestens jetzt. Apropos Fozzy, die Jungs standen während des Auftritts oben auf dem Rang und feuerten ihre Bandkollegen ebenfalls ordentlich an. Der Sänger bewegte sich ziemlich schnell von A nach B, sodass es sehr schwerfällt, einen guten Schnappschuss hinzubekommen. Das Grauen eines jeden Fotografen, aber dafür eine tosende Menge, die mit Beifall keineswegs geizt. Dies kann nicht mehr übertroffen werden, oder? Falsch! Die Band entschied sich dazu „Last Call for Alcohol“ zu spielen und an irgendeinem Punkt der Show kletterte Sänger Jocke auf einen mannshohen Verstärker und sprang aus der Höhe in die Mitte der Bühne. Die Stimmung hatte seinen Höhepunkt erreicht. Die Fans waren vollkommen zufrieden und die Band war es ebenfalls. Somit verabschiedeten sie sich mit ihrem Partykracher „We Don’t Celebrate Sundays“ und begaben sich abrupt von der Bühne durch die Menge ans andere Ende der Halle zum Merchstand.

Foto: Ina Sieg

Fazit: Es war ein sehr gelungener Abend. Es herrschte eine schöne Stimmung gegenüber allen Bands, die das Publikum mit ihrem ganz eigenen Charme verführten. Der Eintrittspreis von circa 30 € war mehr als gerechtfertigt, aber trotz allem muss eine Sache leider bemängelt werden: Jocke, bitte Rasiere dir den Schnurrbart wieder ab! 😉

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