09.08.19 Tank mit Frank Festival

Das Tank mit Frank Festival in Greven (bei Münster) existiert seit 2014 und wird von Musikfan Frank Averbeck organisiert. Damals startete das Festival als kleines Event mit ca. 350 Besuchern in Franks Garten, heute feiern über 1000 Leute gemeinsam auf einem sich in der Nähe befindenden Gelände. Das Programm setzt sich aus einer bunten Mischung zusammen: Von Punk über Rock ‘n‘ Roll bis hin zu Heavy Metal ist alles dabei und liefert somit ein breites Band an Stromgitarren-Musik.

Weil Bier und Rockmusik so gut zusammenpassen, startete das Tank mit Frank 2019 gegen 14:00 Uhr mit einem kostenlosen „Beer Tasting“ zusammen mit den Bands Thundermother und Hardbone. Seit der gemeinsamen Tour 2018, sind die Bands zusammengeschweißt und verstehen sich super. Dass beide Bands auch auf diesem Festival wieder zusammenspielen sollten, bot eigentlich genug Grund zum Feiern, dazu kam aber, dass die Thundermother-Gitarristin Filippa an diesem Tag auch noch Geburtstag hatte. Hell, yeah! Nachdem einige deutsche sowie schwedische Trinklieder zusammen mit dem Publikum geträllert wurden, folgte selbstverständlich ein Geburtstagsständchen an Filippa. Ihr könnt euch sicherlich vorstellen, dass die Stimmung bereits jetzt mehr als gut war. Gebt den Leuten kostenlosen Alkohol und sie sind glücklich! 😀

Um 15:30 Uhr wurde es Zeit für Hardbone, den Festivaltag musikalisch zu eröffnen. Frank hätte sich hierfür keine bessere Band aussuchen können, denn die fünf Vollblutrocker aus Hamburg gaben ab dem ersten Ton Vollgas. Hardbone geben IMMER 110% – egal unter welchen Umständen! Während des ersten Songs, wurde aus dem leichten Nieselregen immer stärker werdender Regen, der das Publikum durchnässte, aber das war völlig egal! Die Rocker schmetterten einen guten Song nach dem anderen und Sänger Tim Dammann ließ die letzten grimmig dreinschauenden Gesichter mit amüsanten Ansagen verschwinden. Wer schon einmal ein Konzert von Hardbone besucht hat, der weiß, dass die Band gern auf aufwändige Show-Effekte verzichtet und lieber mit Leidenschaft zur Musik, einer präzisen Spielweise und handgemachtem Rock überzeugt. Wenn dann aber ein Festivalveranstalter Pyrotechnik zur Verfügung stellt, hat das natürlich seinen Reiz. Platzregen von oben, Rock ‘n‘ Roll von vorne und dazwischen  Flammen, die das Ganze kräftig unterstrichen. Wow! Was für eine Show!

Als nächstes spielte die Deutschrock-Band Brenner. Da ich generell kein großer Deutschrock-Freund bin, erkundete ich währenddessen das kleine Festivalgelände. Hier gab es ein paar Bier- und Essenswagen, einen kleinen Shop (Schmuck, Tücher, Taschen etc.), eine Merchandising-Ecke der Bands und ein Zelt der Deutschen Knochenmarktspende mit einer Typisierungsaktion. Die restliche Spielzeit von Brenner, schonte ich meine Kräfte auf einer Bank im Biergarten. Der Abend sollte nämlich noch sehr lang werden… 😉

Während der Umbau-Pausen auf der Mainstage hatte man als Festivalbesucher jedoch keine „ohrenschonenden“ Pausen, denn auf der kleinen Bühne im Biergarten nebenan spielten weitere, unbekanntere Bands. Für meinen Geschmack hätte das nicht unbedingt sein müssen, weil man dadurch Dauerbeschallung hatte und die Ohren ununterbrochen gereizt wurden, allerdings kam so auch keine Langeweile auf und die Energie der Besucher blieb auf einem konstanten Level.

Auf einem so kleinen Festival kommt man schnell mit Leuten in Kontakt. Ich persönlich quatsche gerne die Leute an, deren Bandshirts ich abfeiere – so hat man gleich eine gute Gemeinsamkeit, auf die aufbauen kann.  An diesem Tag sah ich besonders viele Kissin‘ Dynamite Fans, die mit Stolz ihre T-Shirts und Merchandising-Artikel trugen und kam mit dem einen oder anderen von ihnen ins Gespräch, sodass ich gar nicht bemerkte, dass die Speedrocker V8 Wankers bereits eine halbe Stunde lang spielten. Als ich gerade Richtung Bühne gehen wollte, entdeckte ich einige Bandmitglieder von Savage Messiah im Publikum und änderte schlagartig meine Richtung. Ich hatte die Jungs am Vorabend auf ihrem Konzert in Hamburg besucht und konnte sie dort persönlich  kennenlernen. Umso schöner war es nun, erneut mit ihnen abzuhängen. Viel gemeinsame Zeit blieb in diesem Moment jedoch nicht, da die Band die nächste auf der Bühne sein würde. Ich positionierte mich in der ersten Reihe, um gemeinsam mit den sechs Jungs aus England abrocken zu können. Der Musikstil von Savage Messiah lässt sich als sehr vielseitig beschreiben. In den vergangenen Jahren gab es mehrere Besetzungswechsel und unterschiedliche musikalische Einflüsse. Während sich die Band früher dem Thrash Metal verschrieb, ist es aktuell eher alternativer Heavy Metal, der live wunderbar überzeugt. Diese Band kann sowohl die Besucher einer dreckigen, kleinen Kneipe auf dem Hamburger Kiez überzeugen, als auch eine wilde Festival-Crowd! Dass auch hier die Pyro-Effekte die Songs unterstrichen, freute mich sehr. Ich bin nämlich ein großer Fan von Pyro-Shows auf Konzerten und Veranstaltungen! 😉

Als ich mich zwischendurch im Publikum umsah, entdeckte ich Frank, der in den vorderen Reihen abrockte. Von allen Seiten wurde ihm zugeprostet und anerkennend auf die Schulter geklopft. Auch als er jede Band persönlich anmoderierte, bekam er dafür tobenden Beifall. Schön, dass er als Veranstalter nicht stur sein Ding durchzog, sondern die gemeinsame Zeit genoss und die Bands und Gäste würdigte.

Unterdessen war es schon 19:00 Uhr und der Hunger machte sich bei mir bemerkbar. Ich entschied, die nächste Band – Almanac (deutscher Power Metal) – aus einer gewissen Entfernung anzuschauen und nebenbei etwas zu essen. Es hatte erneut angefangen zu regnen, sodass ich mich über einen freien Platz am überdachten Bierwagen freute und das Programm des restlichen Abends studierte. Nach Almanac sollten schon Thundermother spielen, die ich keinesfalls verpassen wollte!

Gesagt, getan. Eine Stunde später stand ich vor der Bühne und jubelte zusammen mit dem Publikum den vier schwedischen Powerfrauen von Thundermother zu. Hier wusste ich schon, was mich gleich erwarten würde, deshalb war die Vorfreude ganz groß. Ich hatte die Mädels schon zwei Wochen zuvor auf der Pyraser Classic Rock Night in Franken gesehen und bin seitdem ein großer Fan! Die Setlist hatte sich im Vergleich zum Festival vor zwei Wochen nicht geändert, aber das machte mir nichts aus. Die Songs waren großartig, genauso wie die Rock-Ladies! Neben mir stand ein Mann, der die Gitarristin Filippa anhimmelte und sich kaum wieder einkriegte, als sie auf den Schultern eines Crewmitglieds durch das Publikum stolzierte, währenddessen ein imposantes Solo spielte und direkt neben dem Mann stehen blieb und ihm die Zunge rausstreckte. Das nennt man dann wohl Fannähe! 🙂
Gegen 21:00 Uhr tippte mir meine Freundin auf die Schulter und teilte mir aufgeregt mit, dass die Autogrammstunde von Kissin‘ Dynamite bereits angefangen hatte. „WAS?! Das darf doch wohl nicht wahr sein“, dachte ich. Das dachte ich nicht aus dem Grund, weil ich die ersten Minuten der Autogrammstunde verpasst hatte, sondern weil ich viel lieber vor der Bühne stehen bleiben und diese unglaublich großartige Show von Thundermother weiter miterleben wollte. Aber Lieblingsband bleibt Lieblingsband und ich riss mich los und tänzelte noch voll vom Groove gepackt, zur Autogrammstunde. Ich freute mich, dass die Schlange vor mir nicht besonders lang war und ich somit nur wenige Minütchen warten musste, um die fünf Jungs von Kissin‘ Dynamite zu begrüßen. Es fühlte sich irgendwie komisch an, denn im Gegensatz zu ihren anderen Shows und Festivals, war die Autogrammstunde diesmal vor dem Konzert und nicht hinterher. Die Standard-Frage der Band, ob es mir gut ginge und alles klar sei, beantwortete ich normalerweise mit Worten, wie: „Selbstverständlich! Schließlich war eure Show wieder erstklassig“, aber das konnte ich diesmal nicht sagen. Stattdessen freute ich mich, meine Lieblingsband zu sehen und auch persönlich zu sprechen, schwang mich aber schleunigst zurück in die Menge, um die letzten Songs von Thundermother mitzubekommen.

Als nächstes war es an der Zeit für den ersten Headliner des Abend: Fiddlers Green. Meine Freundin wollte gerne ziemlich weit vorne stehen und ich schloss mich ihr gerne an. Wir hatten die Band zuvor noch nie live gesehen, sondern nur auf der Hinfahrt zum Festival in ein paar Songs reingehört. Die Songs, die wir abgespielt hatten, überzeugten uns und stimmten uns positiv. Kennt ihr das, wenn man sich auf eine Band freut, schon gewisse Erwartungen hat und sie live dann mitten ins Schwarze trifft und euch total flasht? So war es bei Fiddlers Green! Als deutsche Band verrocken sie irische Musik und sind ein eingespieltes, in sich harmonisches Team. Das Sextett hinterließ bei ihrer Show an diesem Abend in vielen Gesichtern ein Lächeln. Füße wippten im Takt, die Hände wurden jubelnd nach oben gerissen und einige Besucher hingen sich fröhlich in den Armen und schunkelten mit. Sänger Ralf „Albi“ Albers war sichtlich von der guten Stimmung begeistert und freute sich darüber hinaus auch über die Pyro-Effekte an diesem Abend.

Glücklich und müde nutze ich die Umbaupause zwischen den beiden Headlinern, um mich ein bisschen auszuruhen und runterzufahren. So ein Festivaltag kann wirklich super anstrengend und intensiv sein! Viel Zeit blieb mir allerdings nicht zum Ausruhen, denn pünktlich zur Geisterstunde um 00:00 Uhr wurde als Intro der Song „Kissin‘ Dynamite“ von AC/DC gespielt, der dem Headliner vor über zehn Jahren seinen Namen verlieh. Danach fiel im wahrsten Sinne des Wortes der Vorhang und die fulminante Show von Kissin‘ Dynamite begann. Der Opener „I’ve Got The Fire“ löst bei mir jedes Mal eine intensive Gänsehaut aus – auch noch nach so vielen besuchten Konzerten. Auch hier trugen die Pyro-Elemente  dazu bei, dass die Show noch viel eingehender wahrgenommen werden konnte, allerdings haben Kissin‘ Dynamite mit dem aktuellen Album „Ecstasy“ das Feuer als Show-Element in ihr Liveset integriert und demnach war es für einige Tank-mit-Frank-Besucher keine Überraschung. Dennoch hat sich der Veranstalter nicht lumpen lassen und hat bei Kissin‘ Dynamite im Vergleich zu den anderen Bands eine Schippe drauf gesetzt und viel mehr und unterschiedliche Pyro-Technik zur Verfügung gestellt. Sehr cool!
Die Band war an diesem Abend super drauf, grinste in einer Tour, alberte herum und zwinkerte dem Publikum zu (oder doch eher nur den hübschen Mädels? 😉 ). Die Setlist bestand aus einer sehr gut gewählten Mischung aus alten und neuen Songs, diversen Klassikern und einigen Überraschungen, wie „Sleaze Deluxe“ und „Six Feet Under“. Nach einer Weile wurde für die herzzerreißende Ballade „Heart Of Stone“ das Klavier von Tourmanager Jomi auf die Bühne gerollt und Sänger Hannes Braun amüsierte sich über ihn und zog ihn auf. Spaß wird bei dieser Band großgeschrieben und Zeit für kleine Sticheleien untereinander und alberne Showeinlagen, finden sich bei jedem ihrer Konzerte. Bei Kissin‘ Dynamite fühlt sich ein Besucher aber nicht nur aufgrund der humorvollen Show gut unterhalten. Hier überzeugen auch die perfekt inszenierten Songs, die voller Leidenschaft und Liebe zum Detail stecken. Bei dem Klassiker „I Will Be King“ schlüpft Hannes in die Rolle des Königs und hat sichtlich Freude daran, seinen Hofnarren herumzukommandieren und das Publikum auf seiner Seite zu wissen und sich feiern zu lassen. Bei dem Song „Waging War“ schwingt er eine riesengroße schwarze Fahne mit dem KD-Logo darauf über die Köpfe der Leute. Gitarrist Jim Müller nutzt für einige Songs eine Talkbox als Spezialeffekt, die Dynamitstangen im hinteren Teil der Bühne leuchten im Takt und versprühen Nebel, im Amplifier leuchtet das Logo der Band bunt auf und bei „Flying Colours“ erstrahlt das Bühnenlicht in Regenbogenfarben. An diesem Abend wurden am Ende des letzten Songs sogar mehrere Funkenfontänen gezündet. Kissin‘ Dynamite verstehen es wirklich, ihre Fans zu unterhalten und sie vor allem live zu überzeugen. Wer die fünf Powerschwaben bisher nur von ihren Alben her kennt und noch keine ihrer Liveshows besucht hat, der sollte keine Zeit verlieren und sich ein Ticket für das nächste Konzert besorgen!
Um 01:30 Uhr beendete Sänger Hannes das Konzert mit den Worten: „Freunde, ihr wart verdammt geil heute Abend. Dankeschön“ und ging mit einem Leuchten in den Augen von der Bühne.

Auch in meinen Augen war ein Leuchten zu finden und das Dauergrinsen hielt noch lange an. Das Tank mit Frank Festival 2019 war ein voller Erfolg und ist ein echter Geheimtipp! Ich werde das Festival garantiert nicht zum letzten Mal besucht haben und komme gerne wieder! 🙂

Line-Up:
Hardbone
Brenner
V8 Wankers
Savage Messiah
Almanac
Thundermother
Fiddlers Green
Kissin‘ Dynamite

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