10.09.14 Kissin‘ Dynamite

Hamburg, Record Release Party

NBNL: Es ist vollbracht. „MEGALOMANIA“ befindet sich in der Releasewoche und war bereits bei Amazon auf Platz 1 in der Kategorie „Hardrock“. Habt ihr erwartet, dass die neue Scheibe dermaßen positiv einschlägt?

Jim: Joa, ich mein Platz 1 „Hardrock“ das haste relativ leicht, weil man muss ja mal schauen… es war jetzt Releasewoche, sprich wir waren der einzige Act, der den Vorverkauf von der ganzen Woche reingerechnet bekommt, sprich … andere Bands fallen dann in andere Kategorien. In Flames hat auch ein neues Album draußen, die fallen dann in eine andere Kategorie, also ist es schon relativ einfach. Trotzdem haben wir uns natürlich tierisch gefreut und auch Amazon an sich. Bei den normalen Rankings waren wir zwischendurch bei den MP3-Downloads auf Platz 25, glaube ich. In den Mediamarkt-Saturn-Charts waren wir glaube ich auf Platz 22. Welche Zahl dann nächsten Montag steht, die gilt für die ganze Chartwoche. Da sind wir sehr gespannt. Unser Ziel war natürlich – klar – „Money, Sex & Power“ zu übertrumpfen. Das war Platz 50. Also wäre ich mit Platz 49 zufrieden, bei 40 glücklich und bei 30 würde ich ein Fest schmeißen 😉 Die Tendenzen sind bisher jedenfalls besser als bei „MS&P“. Wäre ja auch schlimm, wenn nicht, weil die goldene Regel bei uns in der Band ist, jedes Album zu übertrumpfen. Nicht nur was den Erfolg angeht sondern natürlich auch musikalisch immer irgendetwas zu verbessern oder anders zu machen. Wir haben von unseren Fans gottseidank noch kein schlechtes Feedback bekommen. Bisher fanden es alle geil, was wir tatsächlich nicht erwartet haben. Wir dachten, der ein oder andere wird dann vielleicht nix mehr mit Kissin‘ Dynamite anfangen können, aber ganz im Gegenteil. Als hätten die Leute drauf gewartet, dass wir diesen Schritt machen. Also ich bin maximal zufrieden bisher!

NBNL: MEGALOMANIA ist ein sehr interessanter und einfallsreicher Albumtitel. Was kann man sich unter dem „Größenwahn“ vorstellen?

Jim: Um in diesem Business zu bestehen, das Ganze mitzumachen wie z. B. das Touring, das ist ja alles ein riesen komplexes Ding. Dazu braucht’s einfach Biss und… naja, wie sagt man? Disziplin. Das alles kann man so unter dem Wort „Wahnsinn“ zusammenfassen. „Ain’t no business like monkey business“ – das sangen „Danger Danger“ schon in den 80ern und sie hatten einfach recht. Das ist einfach alles total wahnsinnig. Man kann fast schon sagen „Megalomania“ ist ein Konzeptalbum, weil wir einfach das Maximalste, eben das Größte aus dieser Platte herausholen wollen. Was sich ziemlich oft auch nicht nur musikalisch niederschlägt, sondern einfach auch textlich. Es geht ziemlich oft um einen Umbruch, um gegen den Strom zu schwimmen, um was Neues auszuprobieren („Fireflies“, „Running Free“ etc.) und um Sehnsüchte („Ticket to Paradise“). Das alles hat so perfekt zu „Megalomania“ gepasst, zu diesem Größenwahn. Und wir sind auch etwas größenwahnsinnig, obwohl wir eigentlich total bodenständig sind… aber irgendwie doch auch ein wenig größenwahnsinnig. Wir sind auf jeden Fall immer die Besten im Eigenlob 😉 Wir kommen von der Bühne und fühlen uns wie die Größten!

NBNL: Also kam der Albumtitel nach den Songs?

Jim: Halb und halb. Es hat sich so nach und nach herauskristallisiert, dass es in die Richtung geht. Als dann aber der Albumtitel stand, also als wirklich „Megalomania“ in den Raum geworfen wurde, war für uns alle sofort klar „Das ist er.“ Das war wie damals beim Finden des Bandnamen s. Da haste den gehört und gedacht „Boah, ja“, hast aber trotzdem noch weiterüberlegt und nach jedem Namen denkste „Ja, Kissin‘ Dynamite war’s“, bis es dann endlich jemand ausgesprochen hat und alle meinten „Gottseidank sagt’s mal jemand“.

NBNL: Bei den letzten drei Alben seid ihr mehr die Sleazerock-Schiene gefahren. Mit dem neuen Album bewegt ihr euch in eine völlig andere Richtung. Wie kam es zu der Entscheidung etwas Neues auszuprobieren und wie definiert ihr den neuen Stil?

Jim: Das ist schwer. Alles hat tatsächlich in Japan 2013 angefangen. Da haben wir uns quasi die Augen öffnen lassen. Wir sind nämlich zusammen in eine richtige Dance-Disco gegangen. Ich glaube es war in Tokyo… oder irgend so ein kleines Dörfchen. Da haben wir nur gedacht „Was zur Hölle geht hier ab“. Sonst haben wir sowas immer mal im Küchenradio gehört. Es war schon sehr beeindruckend was da mit den Leuten abgegangen ist. Das war so ein Wendepunkt in der Band, wo wir uns überlegt haben, was wir denn überhaupt wollen. Nach der Japanreise haben wir uns zusammengesetzt bei einem Kasten Bier und haben uns analysiert. So richtig spießbürgerlich und gar nicht Rockstar-like. Was sind wir? Welche Person steht für was? Was sind die positiven und negativen Eigenschaften der Einzelnen, Aussehen, Charakter, etc. Und dann war irgendwie klar, dass es DAS bisher noch nicht gewesen ist. Dass wir im Moment eigentlich ’ne Kopie von der Kopie einer 80er Band sind und das wollten wir nicht. Wir wollten einen eigenen Stempel und wollen ganz nach oben. Das erste Ziel von uns ist ganz klar. Von der Musik komplett leben können bis zum Ende und das natürlich möglichst groß. Ganz klar – Größenwahn. Da braucht man einfach etwas Eigenes, denn eine Kopie wird nie so groß wie das Original. Airbourne, Freiwild, Böhse Onkelz, diese Bands sind zwar riesig – Airbourne haben mit dem 1. Album 250.000 Platten verkauft, das ist Wahnsinn! Aber sie werden trotzdem nie so groß wie AC/DC. Uns fehlte noch der eigene Stempel, der eigene Sound, der uns definiert. Wir haben überlegt. Was könnte das denn sein? Und dann kam Japan. Klar bewegt man sich hauptsächlich im Genre Metal und Hardrock, aber man hört doch auch mal links und rechts zu. Ich sag immer „Musik ist dann gut, wenn sie gut gemacht ist“. Und das kennt keine Genres. Es kann ein Schlager Song sein, es kann ein Hip Hop Song sein, es kann ein Dance Song sein. Jeder kennt bestimmt irgendeinen Song aus einem anderen Genre, den er einfach gut findet. Mein bestes Beispiel ist Michael Jackson! Zwar habe ich nicht nur einen Song, sondern gleich 20, aber das ist ja egal 🙂 Und so stehen wir im Moment total auf diese Dance-Elemente. Wir wollten es einfach probieren: Diesen 80er-Sound, den wir bisher gehabt haben, mit modernen Elementen zu kombinieren. „Megalomania“ ist dabei rausgekommen. Es war eine harte Arbeit, wobei es viel härter war, sich dieses Ziel zu setzen und es letztendlich zu erreichen. Hannes hat im Interview davor gesagt, dass es viele Wege nach Rom gibt. Aber wenn du nicht weißt, wo Rom ist, ist es schwer dort hinzukommen. Und so haben wir nach diesen Analysen, die echt lange gingen und zehrend waren, unser Rom gefunden. Also mussten wir uns nur noch für den Weg entscheiden. Wie viele Elektro-Elemente packen wir rein und wie viel nehmen wir vom Alten mit? Wir haben sehr viel herumexperimentiert und mussten komplett neu ansetzen. Es ging nicht nur darum mal ein paar Keyboards rein zumischen, sondern es hat bei den Riffs angefangen. Wir haben bisher nur 80er Riffs geschrieben. Das war am Anfang echt schwer, mehr wie ein Keyboarder zu denken und nicht wie ein Gitarrist. Das war für mich der härteste Part.

NBNL: Hast du momentan das Gefühl, dass du an diesem Punkt zufrieden bist, oder denkst du, es fehlt noch etwas nach oben? Könnt ihr auf dieser Schiene weitere Alben machen, oder wollt ihr noch weiter experimentieren?

Jim: Wir sind maximalst zufrieden mit dem Album, sonst hätten wir es nicht herausgebracht. Im Übrigen haben wir 50 Songs geschrieben und auch vorproduziert. Also nicht nur ein paar Schrammelideen, sondern wirklich amtlich aufgenommen. Davon sind 10 aufs Album gekommen, sprich 40 Songs sind rausgeflogen und die werden wir auch nicht mehr wiederverwenden, denn was einmal rausgeflogen ist, ist ja nicht gut genug. Wir werden uns aber definitiv wieder neu erfinden, wie wir es eigentlich bei fast jedem Album gemacht haben – das ist meine Prognose. Kein Album klingt wie das andere. Es mag daran liegen, dass wir auch mit der Band erwachsen geworden sind. Bands, die ihr erstes Album mit 30 rausbringen, klingen mit 32 nicht groß anders. Wenn du mit 16 anfängst, klingst du mit 18 ganz anders. Das ist unser Vorteil! Und ich steh total drauf! Es gibt nichts geileres, als nach einem Album zu sagen „Ok, war jetzt super, aber ich muss mich daran jetzt nicht festhalten, ich habe die künstlerische Freiheit“. Bestes Beispiel ist Mötley Crüe. In jedem Album klingen sie anders und haben sich selbst neu erfunden. Das finde ich selbst sehr interessant. Es wird bestimmt den ein oder anderen Fan geben, der sagt, dass sie mal lieber so geblieben wären, aber das wird irgendwann langweilig. Außer, du hast ein Original geschaffen, wie AC/DC. Von denen erwartet man nichts anderes und das ist auch geil so! Aber sie waren eben die Ersten – so einfach ist das. Linkin‘ Park haben eigentlich damals auch etwas Neues erfunden. Ich kann übrigens die ersten beiden Strophen von „In the End“ rappen, aber das mache ich jetzt nicht 😉 Jugendsünde!

NBNL: Bei den Fans kristallisiert sich bisher „Fireflies“ als beliebtester Song heraus. Was ist dein persönlicher Favorit und warum?

Jim: Ganz klar „VIP in Hell“ und „God in You“, weil ich einfach auf die schnellen Nummern stehe. Das war schon immer so! Bisher war mein Lieblingssong von KD „Supersonic Killer“ und jetzt sind es die anderen beiden. Ich bin ja eh so der Shredderer, der lieber mal zu schnell spielt und weniger Gefühl reinpackt. Die Story hinter VIP ist auch ganz cool! Hannes ist damals irgendwo langgefahren und hat eine Reklame von zwei Mädels – so ’ne Partychicks – gesehen und drüber stand „Wenn wir schon in die Hölle kommen, dann wenigstens mit Freigetränk und VIP Bändchen“. Hannes kam nach Hause und sagte „Oah, VIP in Hell, geil!“ 😀 So wird man manchmal beeinflusst, das ist ganz witzig. Manche Künstler hören sich sogar drei Monate lang keine Musik an, damit sie von nichts beeinflusst werden… Warum auch immer. Es ist doch geil, wenn man von etwas beeinflusst wird.

NBNL: Auf der neuen Platte finden wir mit „Fireflies“ und „The Final Dance“ diesmal, im Gegensatz zu den Vorgängeralben, sogar zwei Balladen. Hören wir diese auch bei den Liveshows? Was wird uns auf der „Megalomania Over Europe Tour“ erwarten?

Jim: Nicht diese Balladen, aber eine wird’s auf jeden Fall sein, weil es erstens ein Lieblingssong von den Leute ist, zweitens auch intern… was heißt Lieblingssong. Wir finden jeden Song geil. Deswegen ist es so schwer die richtige Auswahl zu treffen. Und ob wir ihn nun live spielen, oder nicht liegt einfach daran, ob der Song gewinnt. Wenn zwei Balladen gewinnen, die zu den besten Zehn gehören, dann ist das so. Wir gehen nicht danach, dass wir sagen „Oh, wir brauchen jetzt noch zwei Balladen und dann brauchen wir noch eine Nummer, die 121bpm hat“ – der bessere Song gewinnt.

… Hannes kommt dazu …

NBNL: Warum wurde mit „Deadly“ ein Song aufgenommen, bei dem kein KD Mitglied an Text oder Musik mitgeschrieben hat?

Hannes: Ja, das ist der einzige Fremdsong auf der Platte. Den hat Desmond Child, der Komponist von Bon Jovi und Aerosmith, maßgeblich geschrieben. Dementsprechend war es eine Ehre, dass er überhaupt einen Song für uns schreibt und dann war der auch noch geil! Der musste mit auf die Platte, keine Frage.

Jim: Wenn Desmond Child an deiner Tür klopft und sagt, er hat ’nen Song für dich, dann machst du die Ohren auf. Sonst hat übrigens alles Hannes geschrieben. Musikalisch kam da alles von ihm und Andi hat alle Texte geschrieben. Hat er gut gemacht, der Junge 😉

NBNL: Haben euch auch Sascha Paeth und Miro Rodenberg (Gate Studio) beeinflusst?

Hannes: Nee, sie haben uns nicht beeinflusst. Wir haben Sascha als zweiten Produzenten ins Boot geholt, weil wir es sonst einfach zeitlich nicht gestemmt bekommen hätten, denn Elephant Music ist jetzt auch nicht die kleinste Produktionsfirma der Welt, ganz im Gegenteil. Sascha hat genauso wie Elephant Music meine Vorproduktion bekommen und weiter mit uns zusammen ausgefeilt. Miro war maßgeblich daran beteiligt, bei „The Final Dance“ und „Golden Cage“ (Bonustrack) die Keyboards zu machen, weil er darin sehr gut ist.

NBNL: Der Song „Golden Cage“ ist sehr auffällig, weil er komplett aus der Reihe tanzt. Warum habt ihr ihn als Bonustrack veröffentlicht?

Hannes: Es gab zwei Möglichkeiten für den Bonustrack. Insgesamt haben wir nämlich zwölf Songs. Der Zwölfte geht nach Japan – ganz exklusiv. Der heißt „In the Eye of a Shitstorm“.

Jim: Mein persönlicher Lieblingssong von allen zwölf! Deswegen war das ganz schlimm für mich, dass der nach Japan geht.

Hannes: „Golden Cage“ klingt aufgrund der orientalischen Klänge natürlich sehr eignen und steht für eine bestimmte Welt. „In the Eye of a Shitstorm“ aber nicht. Und die Entscheidung war ganz platt: Du kannst keinen Araber-Song als Bonustrack nach Japan schicken! Wir fanden, außer Jim, diese Zwei am schwächsten und dementsprechend war klar, dass wir sie als Bonus haben wollen.

NBNL: Sagt mal, was ist eigentlich mit „Hairforce One“?

Hannes: Das haben wir begraben, weil es erstens nicht mehr zu diesem Image passt, für das wir uns letzten Endes entschieden haben und zweitens ist iMusicOne insolvent und den Bach runtergegangen. Wir haben nicht mehr die Kapazität da irgendwie großartig auf die Suche gehen zu wollen, weil wir beruflich beide so eingespannt sind, dass es eigentlich mehr Aufwand wäre, der nicht zu stemmen ist.

Jim:
Es war aber eine Hammer Erfahrung und hilft uns heute noch in Interviews, weil man einfach mal die andere Seite sieht und deinem Gegenüber quasi ein bisschen unter die Arme greifen kannst. Wir waren immer ganz froh, wenn solche Typen wie Steel Panther kamen und von allein schon zehn Minuten laberten… Und wir haben Slash getroffen!!! Slash getroffen!!!

NBNL: Wen getroffen? Kann ich das nochmal hören?

Jim: SLAAAASH!!! 😀

NBNL: Gibt es noch etwas, was ihr an eure Fans richten möchtet?

Hannes: Bitte KAUFT euch „Megalomania“, wenn ihr es haben wollt. Ladet es nicht illegal runter, weil das eine Unart ist, die einer Band nicht weiterhilft. Da spreche ich für alle Künstler. Nur mit einem CD-Kauf, einem Tourbesuch und Merch kaufen, unterstützt ihr eine Band wirklich. Die wahren Fans wissen das.

NBNL: … am besten noch vor Freitag 😉

Hannes: Ja! Mal schauen, was die Charts sagen. Wir sind gespannt!

 

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