11.10.18 Halestorm

Markthalle, Hamburg
Rezension von Ina

In den vergangenen Tagen habe ich ernsthaft versucht, meinen Ohrwurm loszuwerden. Leider erfolglos. Deshalb schreibe ich jetzt diesen Konzertbericht und singe im Kopf immer und immer wieder „I’m on the very top floor, room 1334. There’s a king size bed but we can do it on the floor. Turn your cellphone off, leave a sign on the door that says ›Do not disturb‹” ♪ ♫ ♪

Das letzte Mal hatte ich Halestorm im März 2015 live gesehen. Meiner Meinung nach sind die vier Rocker aus Pennsylvania (USA) eine extrem starke Liveband, die man gar nicht oft genug sehen kann. Deshalb freute ich mich sehr, sie nach zweieinhalb Jahren wieder auf der Bühne vor mir zu sehen.

Aber fangen wir ganz am Anfang an:
Bereits eine Dreiviertelstunde vor Einlass standen die Konzertbesucher der Markthalle bis unten auf die Straße an. Wer die Location kennt, weiß, dass das bedeutet, dass schon relativ viele Leute vor Ort waren. Mich wunderte es aber nicht, da das Konzert einige Wochen zuvor als „ausverkauft“ gemeldet worden war. Halestorm ziehen ein breitgefächertes Publikum an. Darunter die Altrocker (quasi unsere Eltern), viele junge Paare, Mainstream-Hörer, einige Kinder und nicht zuletzt die verrückten Fangirls, die Lzzy Hale anschmachten. Letztere standen selbstverständlich schon Stunden vor Einlass an der Venue, um auch ja einen Platz in der Frontrow ergattern zu können. Jedem das Seine 😉

Um 19:00 Uhr öffneten sich die Türen der Markthalle und schnell füllte sich der Saal. Eine Stunde später trat die Vorband Devilskin auf die Bühne. Die Alternative-Metalband, bestehend aus Nail (Gitarre), Paul (Bass), Nic (Schlagzeug) und Jennie (Gesang), nahmen den weiten Weg aus Hamilton (Neuseeland) auf sich, um das Publikum mit ihrer dynamischen 60-Minuten-Show mitzureißen. Das gelang ihnen sehr schnell, wie ich beobachtete. Die beiden Zwillinge Nail und Paul hatten sichtlich Spaß am Spielen und färbten mit ihrer humorvollen Art aufs Publikum ab. Es wurde synchron gespielt, sich gegenseitig mit Plektren auf die verschwitzten Glatzen beklebt und die Securities geärgert. Sängerin Jennie überzeugte mit einer einerseits sehr gefühlvollen, andererseits sehr kraftvollen Stimme für offen stehende Münder im Publikum. Begeisterung brach aus, als sie plötzlich ganz unerwartet „FUUUUUCK YOOOOOU“ aus ihrem tiefsten Inneren zu grölen begann und im nächsten Moment durch ein Megafon brüllte. Wow! Was für ein Organ! Das steckte die Besucher der Markthalle an. Sofort wurde nicht mehr nur mit dem Fuß gewippte und mit dem Kopf im Takt genickt – nun breitete sich in fast allen Gesichtern ein breites Grinsen aus, Haare flogen wild umher und Fäuste streckten sich gen Himmel. Devilskin lobten diesen Enthusiasmus mit den Worten: „Hamburg, you’re amazing! We love playing with you“, und starteten eine tolle Interaktion mit dem Publikum. Die Leute sollten nun das nachsingen, was Jennie vorsang. Wahrscheinlich erwarteten alle so etwas wie „Eeeeeooooo“, aber wir sollten „Haaaalestooooorm“ singen. Das fetzte und machte gleich Lust auf den Headliner!

Foto: Ina Sieg

Um 21:30 Uhr war es dann endlich soweit. Es war Zeit für Halestorm!
Der Opener war „Black Vultures“, ein starker Song vom neusten Album „Vicious“. Der Saal tobte sofort. Nachdem Schlagzeuger Arejay auf die Bühne kam, rasteten die Leute noch mehr aus. Grund dafür war sein Outfit, das an Fred Feuerstein erinnerte. Arejay hatte für die Tour die verschiedensten und verrücktesten Kostüme eingepackt und präsentierte fast jeden Abend einen anderen knallbunten Anzug. Wie für Drummer typisch, waren die Hosen kurz. Mich erinnerte sein Outfit ein bisschen an Angus Young’s Schuluniform, nur eben im Flintstones-Look! 😉

Auch Sängerin Lzzy (Arejays ältere Schwester) ist dafür bekannt, des Öfteren schräge Outfits zu tragen. An diesem Abend trug sie eine schwarze Schlaghose aus Leder und extrem hohe Highheels. Wahrscheinlich ist sie die einzige Sängerin, die auf diesen Schuhen tanzen, rocken und springen kann. Meinen Respekt hat sie sich damit absolut verdient! 😀 Diese Frau gehört einfach auf die Bühne. Auch ihre rote Gibson-Gitarre passte farblich perfekt zum blutroten Lippenstift und kurze Zeit später wechselte sie die rote Gibson in eine schwarze Gibson SG – so eine, wie sie Angus Young spielt, nur eben in schwarz. Das sah grandios aus! Scheint so, als würden die Hale-Geschwister den Herrn Young ziemlich gut finden… 😉

Foto: Ina Sieg

Die vier Rocker versprühten viel Energie und hatten sichtlich Spaß auf der Bühne. Die Setlist war mit einer guten Mischung aus Klassikern und Songs des neuen Albums gut gewählt und kam beim Publikum an. Den Song „White Dress“ widmete Lzzy allen Frauen im Saal und einen Song später sangen wir alle die erste Passage von „I Get Off“ a cappella mit ihr. Leider folgte dann nicht der komplette Song, sondern es blieb beim Anfang. Dafür rastete das Publikum dann beim nächsten Titel umso mehr aus: „Do Not Disturb“ – mein Ohrwurm…

Damit ihr auch etwas davon habt, schaut euch gleich mal das brandneue Video dazu an:
Link: https://www.youtube.com/watch?v=WZNb8A48USo

Weiter ging es mit dem Drumsolo. Die meisten Zuschauer finden diese Stelle des Konzerts meistens langweilig, aber Arejay Hale ließ sich etwas Besonderes einfallen, damit ihm auch wirklich alle Gäste Aufmerksamkeit schenkten: „Now it’s time for the big sticks!“ – er spielte mit überdimensional großen Drumsticks sein Solo zu Ende. Geile Show!

Auch Gitarrist Joe und Bassist Josh waren gut drauf und verteilten pausenlos Plektren. Ich darf mich ebenfalls zu den glücklichen Besitzern eines Plektrums von Joe zählen. Auf der Vorderseite steht unter dem Bandnamen sein Name und auf der Rückseite ganz groß „PARTY“! Na wenn das mal kein Statement ist! Mit einer großen Party ging es bei Songs, wie „Freak Like Me“ und „Mz. Hyde“ weiter. Nach 14 Songs verabschiedete sich die Band vom Publikum. Laute Zugabe-Rufe bestätigten, dass das noch nicht das Ende gewesen sein sollte. Nachdem die Masse laut genug rief, schmetterte das Quartett den Song „Skulls“ nochmal ordentlich über die Bühne. Hieran wurden ein paar Freunde und Familienmitglieder (u.a. die Frau von Josh) dazu geholt, weil Lzzy am Vortag Geburtstag feierte und wir ihr nun ein herzerwärmendes „Happy Birthday“ sangen. Welch schöneren Song könnte es anschließend geben, als „Here’s To Us“, als ganz persönliche Zuprost-Botschaft von Lzzy:
„Here’s to us, wish everybody well. Here’s to us, here’s to love. Here’s to us, here’s to us.”

Setlist:
01 Black Vultures
02 Love Bites (So Do I)
03 I Am the Fire
04 White Dress
05 I Get Off (Acapella)
06 Do Not Disturb
07 Amen
08 The Silence
09 Vicious
10 Drum Solo
11 Freak Like Me
12 The Hand
13 Mz. Hyde
14 Killing Ourselves to Live
Zugabe:
15 Skulls
16 I Miss the Misery
17 Here’s to Us

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