20.09.14 Lord Of The Lost

Rostock, M.A.U. Club

NBNL: Euer neues Album „From the Flame Into The Fire“ ist deutlich härter und schneller als die Vorgänger… wie kam es dazu?

Class: Sind sogar neue Songs drauf!

Bo: Es ist einfach das, was wir gerade alle im Prinzip fühlen. Wir kommen ja alle überwiegend aus dem Metal Bereich, aber jeder von uns hat verschiedene Einflüsse. Lustig, dass ihr gerade Class und mich da habt, weil gerade wir beide so die Metalheads sind. Wie so Bands wie Gojira, Metallica, Ozzy Osbourne…

Class: Metalbands in genral, you know?

Bo: Genau, Metalbands. Von daher war es genau das, was wir gerade gebraucht haben quasi. Viele Bands werden weicher – wir werden härter.

Class: Oder sagen wir mal so: Wir sind da angekommen, wo wir uns am wohlsten fühlen. Nicht, dass wir uns unwohl gefühlt haben, aber man richtet es sich Stück für Stück ein, wie man das gerne hätte. Und da die Fans das annehmen, ist das umso schöner!

NBNL: Die anderen Bandmitglieder fühlen sich damit auch wohl?

Bo: Ja, definitiv!

Class: Die Anderen sind ja auch aus der gleichen Szene, aber wir beide krallen uns am ehesten an der Sache fest.

NBNL: „La Bomba“ ist ein Song, der aus der Reihe tanzt, aber auch eine hohe Anerkennung von den Fans bekommt und zur Fußballweltmeisterschaft eine kleine Bedeutung bekommen hat.

Class: Das Witzige ist, dass wir den Song zur WM gar nicht verwendet haben, sondern es ein Selbstläufer war.

Bo: Irgendwer meinte, dass das DER neue WM-Song wäre. Es war nie die Intuition von uns.

Class: Wir haben gedacht „Ja, warum nicht“. Bei jedem Tor musste man dann „La Bomba“ posten. Aber als offizieller WM-Song wäre er eh nicht durchgegangen, weil er viel zu hart und speziell ist.

NBNL: Wie war es, das Musikvideo dafür zu drehen und wie kam es zu der Idee?

Class: „La Bomba“ ist schon eher ein Partysong. Er geht nach vorne und rockt. Deswegen musste alles ein bisschen größer sein, mit Cheerleadern usw. 😉 Die Idee war auch eigentlich ganz gut, aber vielleicht noch nicht so speziell, wie es hätte sein können, denn es ist ja ein bekanntes Thema mit Cheerleadern und so… Interessanter Weise waren meine Freunde von den „BRIEFS“, die hauptsächlich aus Australien kommen, in Berlin zu Gast und haben da ihre Show gespielt. Ich meinte so „Hey, ihr seid so verrückt, ihr seid so geil, ihr könntet unser Video total durchgeknallt machen“ und sie meinten „Yeah, voll cool! Da haben wir Zeit und kommen vorbei und machen das!“ Das war ein seeehr cooler Zufall und diesbezüglich ist das Video auch echt abgefahren geworden.

Bo: Die haben das Video auch total aufgewertet. Nichts gegen die Mädels von „Dance Deluxe“, die sind super und machen ihren Job fantastisch! Michel Briegel, der Regisseur, ist eine Instanz in Videoschnitt und Videoproduktion und hat in Hollywoodstreifen mitgemacht… Aber „THE BRIEFS“ haben halt noch diesen speziellen Flair mit reingebracht.

Class: Ja, dieses Ungewöhnliche, mit dem viele nicht gleich klarkommen, aber es ist halt geil! Es ist etwas Neues. Die Jungs drehen durch und das ist cool.

Bo: Und lustiger Weise kam dann ja auch, ich glaube danach, diese Conchita Wurst. Ich hab den Namen dann immer wieder unter den Kommentaren gelesen und dachte nur „Was für ’ne Wurst? Was ist denn das?“ 😀 Ich hab das gar nicht mitgekriegt und dann irgendwann „Ahh, ok! Eurovisionsongcontest!“

Class: Das ist so ein Zufall wie bei Juli und „Die Welle“ 😉 Dass da zufällig mal so ein Monsun vorbei kommt, konnte ja keiner ahnen… In unserem Fall war das aber alles sehr positiv!

NBNL: Ihr wart dieses Jahr auf einer USA-Tour. Was habt ihr von dort an Eindrücken mitgenommen?

Bo: Ähm, dafür reicht die Zeit des Interviews gar nicht aus 😉

Class: 5 Jungs, 1 Kontinent, 3 Wochen, 12.000km – das spricht schon für sich. Es war ein abgefahrener Roadtrip, überall mal angehalten, alles aufgesaugt. Wir könnten stundenlang erzählen!

Bo: Das Coole an der ganzen Geschichte war, dass es die erste Tour von Tobi war, unserem damaligen „neuen“ Drummer. Und das war halt cool, weil er dieses Back-To-The-Roots-Ding mit uns mitgemacht hat. Wir sind selber gefahren, haben teilweise in kleinen Clubs gespielt – so mit 20 Mann, weil wir von Provinz zu Provinz mal mehr und mal weniger bekannt sind und für ihn war das perfekt. Um einfach mal zu sehen „Ok, da mussten die Jungs auch mal durch“, denn direkt danach sind wir schön mit Nightliner unterwegs gewesen und auf einmal hast du halt in Hamburg die ausverkaufte Markthalle mit 1.200 Mann. Da sieht er, so ist es nicht einfach. Bei uns läuft es gerade sehr schnell, aber es ist trotzdem so, dass man sich es sich echt hart erarbeiten muss. Für ihn war es perfekt, um zu sehen, dass es diese und die andere Seite gibt.

NBNL: Gibt es Unterschiede zwischen dem amerikanischen und deutschen Publikum?

Bo: Naja, das bezieht sich jetzt nicht auf das Publikum, aber als wir in L.A. waren, gingen wir so über die Straße und dann kommt uns so ein offensichtlicher HipHop-Heini entgegen, guckt dich an, sieht halt deinen Eyeliner und die komplett schwarzen Klamotten und sagt zu dir „Hey man, I like your style!“ In Deutschland wirst du nur komisch angeguckt, überwiegend. Da wirst du auf der Straße angeguckt, als wärst du irgendein komischer Freak, wenn du als Mann Nagellack trägst. In Amerika waren die Leute offener, zumindest in den Großstädten.

Class: In Amerika ist es natürlich auch so, dass du verschiedene Kulturen im Publikum hast. Hautfarben, ethnische Kulturen… Aber so vom Abgehen und irgendwas appreciaten, war das vergleichbar. Es ist ein bisschen schwer zu sagen, dafür waren wir nicht lange genug da. Aber es war eine Lebenserfahrung, von der man noch seinen Kindeskindern erzählen kann. Das wird man auch so nie wieder machen. Keiner ist so bekloppt und fährt 12.000km am Stück weg!

Bo: Das Maximum waren 16 Stunden am Stück, die wir gefahren sind. Nur wir beide!

Class: Aber das war geil!!!

Bo: Aufgrund von Versicherungsgründen…

Class: … und Kosten. Aber es hat Spaß gemacht und ich hätte es mir auch nicht nehmen lassen.

Bo: Nein, definitiv nicht. Einfach mal über die Route 66 rüberbrettern, das ist der Traum eines jeden Autofahrers!

Class: … und von der Polizeit angehalten zu werden 😉

NBNL: War es für alle der erste Amerikabesuch?

Class: Nein, Chris war schon mal da, aber auch nur in Las Vegas. Also so gesehen war es für uns alle eine neue Erfahrung.

NBNL: Ihr würdet also immer wieder hinfahren?

Class: Gern! Also wenn es sich lohnt, immer.

Bo: Es ist tatsächlich sogar in Planung, aber man muss halt kalkulieren. Inwiefern lohnt es sich, inwiefern ist es kein Minusgeschäft, weil man ja kein Geld verlieren will. Es geht absolut nicht ums Geld, aber man will ja auch nicht nach ’nem Monat auf Tour nach Hause kommen und pleite sein.

NBNL: Nächstes Jahr wollt ihr ein Akustik-Album herausbringen und mit einer Akustik Show inklusive Kammerorchester durch die Clubs touren. Geht damit ein Traum in Erfüllung?

Class: Sagen wir mal so: Den Traum haben wir uns im Endeffekt damit erfüllt, dass wir mit dem Orchester in Leipzig bei „Gothic Meets Klassik“ gespielt haben und da wir im Hintergrund ja doch recht viel Klassik abfeuern und da auch genügend Material da war und das nächste Album auch noch ein bisschen auf sich warten lässt, war das eine gute Idee den Fans zwischendurch etwas Abwechslungsreiches zu bieten – also immer für eine Überraschung gut zu sein. Mal gucken, vielleicht werden wir euch danach nochmal überraschen 😉

Bo: … mit ’nem HipHop Album! „Minimal Electro“ oder so!

Class: Nur mit Fingergeräuschen aufgenommen! 😀

NBNL: Wie läuft der Prozess des Songwritings bei euch ab?

Bo: Sehr unterschiedlich! Teilweise gibt es Einflüsse von uns, dass irgendeiner von uns eine Idee für einen Song hat. Chris ist aber das Zentrum des Ganzen, muss man absolut zugeben. Chris hat so einen inspirativen Flow, da kommt man gar nicht hinterher. Er ist sehr kreativ! Wir schicken ihm manchmal Ideen, dann verwurstelt er die, schickt sie zurück und wir basteln sie zusammen. Dann gibt es Leute wie z.B. Rupert Keplinger, der bei EISBRECHER an der Bassgitarre sitzt und bei DARKHAUS an der normalen Gitarre. Er ist halt auch ein wahnsinnig guter Songwriter und da passiert genau dasselbe. Er schickt’s dann auch an Chris. Also das Meiste läuft über Chris, die meisten Texte schreibt er. Er macht diesen Feinschliff. Er hat da so ein Gefühl für Melodien, das haben wir einfach nicht. Ich kann nur von mir sprechen… Ich bin eher so der Knüppel-Heini. Ganz viel, ganz schnell Metal-Gitarre spielen. Das ist das, wir mir wirklich sehr viel Spaß macht. Das, was wir bei Lord Of The Lost machen, ist mittlerweile immer mehr „Geknüppel“. Der Kontrast macht mir auch Spaß, Songs wie „Dry The Rain“ und Ähnliches. Aber sowas kommt nicht aus meinen Fingern und meinem Kopf raus. Chris hat da definitiv etwas, worum ich ihn beneide.

NBNL: Ihr habt schon einen hohen Bekanntheitsgrad erreicht. Wie ist es, wenn ihr auf Hamburgs Straßen unterwegs seid? Werdet ihr schnell von den Leuten erkannt?

Class: Joa, zwar nicht so häufig, aber es kommt immer wieder vor. Aber auch, was dieses komisch Angeguckt werden angeht… Man kann sonst wo sein, selbst auf der Reeperbahn in Hamburg. Und dann kommt so ein Punk, bei dem man denkt, der könnte theoretisch aufgeschlossen sein, oder dass dem alles scheiß egal ist und der sagt dann „Ey, wie siehst du denn aus?!“ Wir werden manchmal erkannt, aber wir sind ja eigentlich eher Randgruppenberühmtheiten.

Bo: Es hält sich in Grenzen. In Hamburg gibt es den Kaiserkeller, wenn man dort zur „Schwarzen Nacht“ geht, erkennen uns 50% der Leute. Ab und an passiert das halt, dann ist man mal beim Bäcker und es kommt jemand rein, hat einen LOTL Hoody an, guckt dich an und traut sich aber nicht, dich anzusprechen. Man nickt freundlich, lächelt einmal und geht weiter.

Class: Aber es werden immer mehr!

Bo: Genau! Es wird mehr, aber es ist nicht so, dass es unangenehm ist. Es ist jetzt nicht so, dass ich nicht mit Freunden ins Kino gehen kann, ohne ständig Fotos machen zu müssen.

Class: Da müsste man schon Herbert Grönemeyer sein 😉

Bo: Das werden wir auch nie erreichen, dafür ist diese Musik einfach viel zu speziell. Wie viele Rockstars gibt es auf dieser Welt, die eigentlich kaum einer kennt und das sind richtige Rockstars! Die verdienen ihre Millionen, gehen auf die Straße und kein Mensch weiß, wer sie sind.

Class: Bei uns ist alles easy. Es wird zwar mehr, das ist auch cool, aber es ist kein Stress.

NBNL: Gibt es noch weitere Projekte, die in Planung sind?

Class: Na logo!

Bo: Wir arbeiten jetzt gerade parallel an zwei Alben. Das Akustik-Album steht im Vordergrund, weil das quasi als nächstes kommt, aber es wird parallel am nächstes Album geschrieben. Man kann es sich nicht erlauben erst das Akustik-Album rauszubringen, dann auf Tour zu gehen und dann noch ein bisschen Zeit verstreichen zu lassen, bevor man dann überhaupt darüber nachdenkt, vielleicht nochmal ein Album zu machen. Deswegen läuft es parallel. Das sind zwei Paar Schuhe, sodass es auch funktioniert.

NBNL: Auffällig ist der sehr enge Kontakt zwischen euch und euren Fans . Wie wichtig ist euch dieser Kontakt?

Class: Der ist sehr wichtig, deswegen machen wir das ja auch. Allerdings ist es mittlerweile so, dass sehr viele Leute zum Konzert kommen und dass es einen Unterschied macht, ob man 200 Leute versucht glücklich zu machen oder 500. Deswegen muss man es ein bisschen eingrenzen und hat den Zwispalt: Man macht 30 Minuten Autogrammstunde, beglückt Einige und der Rest wartet 30 Minuten und kriegt eventuell nichts und muss nach Hause gehen, oder man macht ’ne Stunde und es müssen trotzdem Leute warten und die sind dann richtig angepisst, weil sie eine ganze Stunde gewartet haben und nichts bekommen haben. Und deswegen fahren wir das ein bisschen zurück, dass wir die Leute zwar glücklich machen, aber eben auch nicht mehr alle bedienen können. Das wird einfach irgendwann nicht mehr möglich sein. Und es gibt immer welche, die sagen „Du, damals als noch 20 Leute bei euch vor der Bühne gestanden haben, da hattet ihr einfach mehr Zeit für uns. Wieso ist das jetzt anders?“ Und dann sagst du: „Guck dich mal um“… Ich habe gestern gerade gesagt, wenn du bereit bist 500€ für eine Konzertkarte auszugeben, dann mache ich für dich auch wieder 20-Leute-Konzerte und kann mit dir eine halbe Stunde reden. Aber das geht halt nicht! Das ist ein ganz schöner Knackpunkt, dass man sich trotzdem unterhalten kann und die Fans nicht denken, dass wir plötzlich arrogante Schnösel sind, nur weil wir nicht mehr 5.000 Autogramme am Abend geben.

NBNL: Ihr gebt ja aber nicht nur nach euren Shows Autogramme, sondern hattet mal die Aktion mit dem „Fandy“. Was ist damit?

Bo: Das Fandy ist uns tatsächlich extrem wichtig. Das, was Class gerade beschrieben hat, bezieht sich ja nicht darauf, dass wir keine Lust haben. Schadensbegrenzung könnte man fast schon sagen, ohne es negativ werten zu wollen. Man versucht, dass alle einigermaßen glücklich sind. Ich habe das zich Mal gesagt: Ohne Fans wäre man nicht da, wo man ist. Es ist so eine Balance zwischen „Wir geben euch unsere Musik“ und „ihr gebt uns unsere Mundpropaganda oder ihr kommt zum Konzert“. Also man muss das zu schätzen wissen. Ich glaub, wenn man als Musiker irgendwann mal so abgehoben ist, dass man denkt „Ha, ich bin besser als all die anderen… Meine Fans sind kacke“, dann ist es vorprogrammiert, dass du abstürzt.

Class: Im Grunde ist es aber trotzdem so: Wir sind dazu da ein Konzert zu spielen, die Leute damit glücklich zu machen und dass wir zusammen eine schöne Zeit haben. Unsere Hauptaufgabe besteht nicht darin mit Leuten Fotos zu machen und Autogramme zu geben. Einige Leute vergessen, dass es eigentlich um die Musik geht.

Bo: Da kann man nur an alle appellieren! Nehmt uns das nicht übel, wenn wir manchmal nach einem Konzert nicht rauskommen können. Einige gehen dann zu unseren Backlinern und sagen „Äh, hallo? Ich bin extra aus Hamburg nach Rostock gekommen und die Jungs kommen gar nicht mehr raus, oder was?!“ Es gibt manchmal Show, da bist du einfach richtig im Arsch. Dann sitzt man hinten und es geht einem nicht gut und braucht erst mal Zeit um wieder fit zu werden. Und wenn dann so eine Begründung kommt, dass man ca. 20€ bezahlt hat, dann kann man nur als Gegenfrage antworten: Du hast doch unser Konzert gesehen – Ja. Es hat dir gefallen – Ja. Darum geht es doch eigentlich!

Class: Aber wir versuchen alles.

Bo: Wir versuchen immer alles, jeden glücklich zu machen. Aber es geht manchmal einfach nicht. Wir sind ja auch nur Menschen. Beim Konzert in Berlin vor Kurzem ist Gared zusammengebrochen, weil er einen Kreislaufkollaps hatte. Aber das ist halt menschlich! Wenn es nicht geht, dann geht es halt nicht. Es ist nie so, dass wir keinen Bock drauf haben. Es ist einfach so, dass wir immer gucken müssen. Das Tourmanagement sagt z.B. „Jungs, in einer Stunde müssen wir hier los!“, eine Stunde bedeutet aber duschen, packen, allen Veranstaltern Tschüss sagen und das dauert einfach und dann kann man halt nicht raus gehen, denn dann ist man mindestens eine Stunde draußen.

NBNL: Möchtet ihr euren Fans noch etwas mitteilen?

Bo: Vielen Dank, bleibt uns treu – wir sehen uns auf Tour!

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