03.-06.07.19 Rockharz Open Air

Rockharz, Ballenstedt

Vier Tage Freiheit pur – Freiheit vom Alltag und dem stressigen Beruf.
Immer, wenn ich ein Konzert besuche, kommt irgendwann der erlösende Moment, der mir verdeutlicht, dass ich mich gerade absolut im Hier und Jetzt befinde und die Welt um mich herum vergesse. Das ist ein unglaublich befreiendes Gefühl! Da Konzerte allerdings zeitlich auf durchschnittlich zwei Stunden begrenzt sind, hält dieses Gefühl nicht lange an… Anders ist das auf Festivals. Hier kann ich tagelang in diesem Gefühl schweben und die Zeit genießen. Wenn das Festival an sich dann noch das ein oder andere Highlight bereithält, ist das der Volltreffer!

Ich habe das Rockharz Open Air in der Nähe von Ballenstedt (Sachsen-Anhalt) bereits im Jahre 2016 zum ersten Mal besucht. Schon damals war ich von der überschaubaren und gut zu akzeptierenden Größe (17.000 Besucher) und auch der durchstrukturierten Organisation des Festivals beeindruckt. 2016 war ich alleine unterwegs, weil das eine super spontane Aktion war – quasi von heute auf morgen – und hatte mich daher anfangs ein bisschen verloren gefühlt. Als mich dieses Jahr meine guten Freunde fragten, ob ich Lust hätte, mit ihnen mitzukommen, musste ich nicht lange überlegen. Selbstverständlich! 🙂

Wir beschlossen erst am Mittwoch, dem 03. Juli, anzureisen, obwohl man offiziell schon einen Tag früher auf dem Campground anreisen konnte. Da wir alle aber keine großen Fans von langen Camping-Trips sind, waren vier Tage Zelten für uns die Schmerzgrenze. Wir trafen uns in Quedlinburg auf dem Edeka-Parkplatz, um noch die letzten Einkäufe zu tätigen und fuhren dann mit drei Autos in Kolonne aufs Gelände. Schon von weitem konnten wir unseren Augen nicht trauen, dass tatsächlich schon soo viele Leute vor Ort ihre Zelte aufgebaut hatten und fuhren mit einem unguten Gefühl Meter für Meter weiter aufs Gelände. Nach dreimaligem Umrunden des Campgrounds, auf der Suche nach einer geeigneten Lücke für unsere drei Autos und zwei großen Zelte, waren wir allmählich am Verzweifeln und quatschten die Camping-Einweiser vor Ort an. Sie nahmen uns mit zu einer etwas größeren freien Fläche in unmittelbarer Nähe des Infields und wir grinsten breit bis über beide Ohren. Wow, was für ein super Plätzchen! Was für ein Glück! Denn wenn man das Pech hat und am Ende des Campgrounds zelten muss, kann man durchaus eine Strecke von 10-15 Minuten Fußweg zum Infield zurücklegen. Darauf hatten wir verständlicherweise keine Lust! 😉

Nachdem wir unsere zwei großen Zelte aufgebaut hatten, zischten die ersten kalten Bierdosen als Belohnung. Nun konnte das Rockharz 2019 für uns beginnen! Wir richteten unsere Schlafplätze ein und schlenderten dann ganz gemütlich gegen 21:00 Uhr aufs Infield und checkten ganz grob das Gelände. Schon jetzt merkten wir, wie voll das Festival war. Dieses Jahr wurden um die 19.000 Tickets verkauft. Wow!
An diesem Abend wollten wir unbedingt  J.B.O. und U.D.O. sehen. Die rosaroten Spaßrocker von J.B.O. hatten ein paar Tage vor Festivalbeginn ihr neues Album „Wer lässt die Sau raus“ veröffentlicht und promoteten selbstverständlich selbiges Album auf dem Rockharz. Die Leute fanden es geil und feierten die Franken. Super Stimmung vor der Bühne – genau so muss das sein!
Bei U.D.O. wollten wir weiter nach vorne und schafften es letztendlich in die zweite Reihe. Um uns herum standen viele eingefleischte Udo Dirkschneider Fans, die textsicher mitgröhlten und den „Metal-Opi“ würdigten. Mich beeindruckte vor allem der fette Sound, der mich als nicht ganz so textsicheren Besucher dennoch die Show genießen ließ. Udo Dirschneider wirkte ebenfalls zufrieden und begrüßte die Masse vor der Bühne freundlich. Obwohl es in der Vergangenheit einen einschneidenden Besetzungswechsel gab, schlugen sich die Neuzugänge Fabian „Dee“ Dammers (Gitarre) und Tilen Hudrap (Bass) sehr gut und das Zusammenspiel der Band wirkt harmonisch. Klassiker, wie „24/7“, „In The Darkness“ und „Man And Machine“ sorgte für jede Menge Applaus und hinterließ ein Lächeln auf den Lippen der Metalheads. Mit „They Want War“ schenkten uns U.D.O. den Abschluss eines schönen ersten Festival-Abends. Auf dem Rückweg zu unseren Zelten, versorgten wir uns mit ausreichend Duschmarken (Ja, wir duschen tatsächlich auf Festivals!) und ließen den Abend in gemütlicher Runde bei einem Bierchen ausklingen.

Am nächsten Morgen wurde ich gegen 6:00 Uhr wach, weil die Männer-Truppe im Camp neben mir lautstark verkündete, dass Costa Cordalis verstorben sei. Ich sollte jedoch nicht die einzige Person bleiben, die so früh aus dem Schlaf gerissen wurde, denn nun dröhnte aus den Lautsprecherboxen von nebenan lautstark der Cordalis-Song „Anita“ und die Männer gröhlten freudig mit. Oh man! Wo sind die Ohropax, wenn man sie braucht?! 😉
Da ich nun wach war, wollte ich den angebrochenen Tag nutzen und machte mich auf den Weg zu den Duschen. Als ich um die Ecke am Sanitärbereich ging, stockte mir kurz der Atem. Uff, sooo lang war die Schlange schon? Gefühlt standen hier 150 Leute mit mir an. Aber wie heißt es so schön? „Wer das eine will, muss das andere mögen“! Also stellte ich mich brav an und kam nach ca. einer Stunde Wartezeit endlich an einer freien Duschkabine an. Herrlich, so schön warmes Wasser und endlich sauber! Nun konnte ich gut gelaunt in den Tag starten und aß mit den mittlerweile wach gewordenen Freunden erstmal Frühstück. Wir bequatschten den weiteren Tagesverlauf und schlenderten gegen 15:00 Uhr aufs Infield. Heute wollten wir das Gelände genauer unter die Lupe nehmen und erkundeten, was sich zu den vergangenen Rockharz-Besuchen verändert hatte und was es Neues zu entdecken gab. Wir stöberten nach Sonnenhüten, Schmuck und Bandshirts. Natürlich war auch noch ein Eis für uns alle drin! 🙂 Wir waren vom vielfältigen Angebot, den vielen Accessoire-Ständen und der „Fressmeile“ beeindruckt. Hier war wirklich für jeden Geschmack etwas dabei. Als wir gerade nach Ohrringen stöberten, fiel uns eine ältere Dame auf, die von einer kleinen Menschentraube umringt war und mit Amon-Amarth-Shirt und Rollator über das Infield patroullierte. Hierbei handelte es sich um die 90-jährige Edelgard aus Osterode, die das Rockharz-Ticket zu ihrem Geburtstag geschenkt bekommen hatte. Tja, Freunde: „You’re never to old to rock“! 😉
Nachdem wir im Camp in aller Ruhe Mittag gegessen und ein bisschen Schlaf nachgeholt hatten, zog es uns abends wieder vor die Bühnen. Einer der besten Gründe, die für das Rockharz sprechen, ist die gute Organisation der Bühnen. Auf dem Festival gibt es nur zwei Bühnen, die genau nebeneinander stehen und von vorne nur von einem großen Banner voneinander getrennt sind. Während die eine Band auf der „Dark Stage“ spielt, wird auf der anderen Bühne, der „Rock Stage“, bereits für die nächste Band aufgebaut. Die Besucher können sich so theoretisch alle Bands anschauen und müssen lediglich ein paar Schritte weiter nach links oder rechts wandern, um die nächste Band zu sehen. Ganz große Klasse! Nichts ist lästiger, als wenn zwischen den Bühnen viel zu lange Wege liegen und man sich zwischen den Bands abhetzt, um es rechtzeitig und wahrscheinlich noch durch eine kurze Jogging-Einheit zur anderen Stage zu schaffen. Das Rockharz hat hier eine hervorragende Lösung gefunden, die mich dieses Jahr aufs Neue überzeugte.
Die erste Band, die wir am Donnerstag, den 04. Juli, aus unmittelbarer Nähe und in voller Länge mitmachten, war Lordi. Die finnischen Hard-Rocker hatten ebenfalls ein neues Album im Gepäck und präsentierten dem Publikum nicht nur Songs von „Sexorcism“, sondern auch brandneue Kostüme. Diese konnten sich wirklich sehen lassen! Frontmann Mr. Lordi war gut drauf, heizte die Masse an und schmetterte einen guten Song nach dem anderen. Die Leute liebten „Bloodred Sandman“, „The Riff“ und natürlich „Hard Rock Halleluja“. Ein wildes Crowdsurfen begann und wir entdeckten die durchgeknalltesten Festivalbesucher, die teilweise mit absurden Verkleidungen und Kostümierungen glänzten. Zum Beispiel sahen wir einen T-Rex, bunte Einhörner, Schlauchboote, verrückte Kopfbedeckungen, blinkende Sonnenbrillen, witzige Accessoires aller Art und einen Ritter, der sich seine Rüstung aus Fußmatten geschmiedet hatte! Der Kreativität waren hier wohl keine Grenzen gesetzt.
Der Tag verging ziemlich schnell und plötzlich war es schon 23:30 Uhr. Wir waren zwischendurch wieder auf dem Campground gelandet und beschlossen, erneut aufs Festivalgelände zu ziehen, um die letzten Minuten von Amon Amarth mitzukriegen. Die schwedische Viking-Metalband ist für ihre exklusive Pyro-Show bekannt und dementsprechend voll war es auf dem Gelände, als wir kurz vor Show-Ende ankamen. Selbst von ganz hinten beeindruckte mich die Pyro-Inszenierung sehr.  Wer zu Rammstein nur wegen der Pyro-Show geht, kann auch Geld sparen und ein Konzert von Amon Amarth mitmachen – ihr kommt genauso auf eure Kosten! 😉
Als letzter Act des Abends sollte Joachim Witt spielen. Auf ihn war ich neugierig, da mir das aktuelle Album „Rübezahl“ gefiel – sowohl musikalisch als auch qualitativ von der Produktion her. Allerdings wurde ich an diesem Abend enttäuscht. Joachim war mir zu lasch und der Funke sollte nicht so richtig überspringen. Ob das daran lag, dass vorher Amon Amarth im wahrsten Sinne des Wortes alles niederbrannten, lasse ich mal im Raum stehen…

Am dritten Festivaltag (Freitag, 05. Juli), stand ich etwas zeitiger auf, um beim Duschen nicht wieder so lange anstehen zu müssen. Mein Vorhaben hatte dieses Mal gut funktioniert und ich stiefelte frisch geduscht und gut gelaunt zurück zu unserem Zeltplatz, wo wir gemeinsam frühstückten. Später am Tag sollte unsere Lieblingsband Kissin‘ Dynamite spielen, die ein ausschlaggebender Grund für unseren Festivalbesuch war. Schon zwei Bands zuvor, standen wir direkt vor der Bühne und gaben Omnium Gatherum und The Night Flight Orchestra eine objektive Chance, bevor wir dann von einem Platz in der ersten Reihe unseren Festivalhöhepunkt zelebrierten. Wir hatten die fünf Powerschwaben schon etliche Male zuvor live gesehen – meistens in kleineren Clubs und Konzerthallen. Festival-Shows sind bei Kissin‘ Dynamite aber immer etwas ganz besonderes. Man merkt, wie die Jungs den Platz auf der großen Bühne auskosten und von einer Bühnenecke in die andere flitzen und bei herrlichem Sonnenschein und heißen Sommertemperaturen die Vorzüge einer Open-Air-Veranstaltung genießen. Seit der Tour zum aktuellen Album „Ecstasy“, sind Pyro-Elemente fest im Bühnenprogramm der Band integriert. Diese wirken auf einer großen Festivalbühne ohne Frage viel eindrucksvoller und setzen der Show das i-Tüpfelchen. Schon der Opener „I’ve Got The Fire“ zeigte, wo’s langgehen sollte. Sänger Hannes Braun begrüßte anschließend die Masse und man kaufte ihm dank des Funkeln in seinen Augen und des breiten Grinsen in seinem Gesicht ab, dass es in diesem Moment nichts Schöneres auf der Welt für ihn gab. Die fünf Schwaben wissen, wie sie ihr Publikum mitreißen können. Songs, wie „Love Me Hate Me“, „DNA“ und „I Will Be King“ dürfen auf keinem Livekonzert fehlen und tragen dazu bei, dass jeder Besucher eine gute Zeit genießen kann. Auf dem Rockharz 2019 hatten KD eine Spielzeit von nur 45 Minuten bekommen. Wer schon einmal eine Headliner-Show der Jungs mitgemacht hat, weiß, dass das eindeutig zu wenig Zeit ist. Das Quintett hat sich gerade warm gespielt und geht dann quasi wieder von der Bühne. Kein Wunder, dass der Applaus am Ende laut war und die Leute eigentlich gerne länger etwas von Kissin‘ Dynamite gehabt hätten. Wenn ihr in Zukunft die Chance habt, ein Headliner-Konzert der Band mitzuerleben, dann denkt nicht lange darüber nach und tut es einfach. Es wird sich lohnen!
Nach der KD-Show freuten wir uns auf ein kühles Bier und einen Schattenplatz, um wieder runterzukommen. Nach einer kurzen Pause reihten wir uns in die lange Schlange der Autogrammstunde von Kissin‘ Dynamite ein. Ich freute mich über so viel Interesse der Fans und beobachtete die Jungs von weitem. Es gefiel ihnen, auf sämtlichen Körperteilen der weiblichen Fans zu unterschreiben und auch der ein oder anderen Dame aufgrund der Lautstärke (Dragonforce spielte unterdessen nebenan) näher ans Ohr kommen zu müssen. Aber auch die männlichen Fans kamen auf ihre Kosten und prosteten der Band freudig zu, schossen Erinnerungsfotos oder klatschten High-Five mit den Jungs ab. Ich lernte während der Wartzeit ein Mädchen kennen, das ganz aus meiner Nähe kam und ebenfalls ein großer Fan der Band war. Normalerweise ist das nicht besonders spektakulär, aber wir beide kommen aus dem Norden und befanden uns auf einem Festival im Harz – das war ein schöner Zufall. „Musik verbindet“, das sage ich immer wieder! 🙂
Den restlichen Abend verbrachten wir auf dem Campground und lernten unsere Zelt-Nachbarn links und rechts neben uns etwas besser kennen. Wir saßen gemütlich in einer größeren Runde zusammen und hatten kühle Drinks und gute Musik am Start. Da dies unser letzter Festivalabend werden sollte, kosteten wir die gemeinsame Zeit in vollen Zügen aus und gingen spät ins Bett.

Am nächsten Morgen standen ein leckeres, ausgiebiges Frühstück, sowie der große Abbau unserer Zelte auf dem Programm. Wir ließen uns Zeit und hatten trotz Aufbruchsstimmung viel Spaß. Um das Festival würdig abzuschließen, machten wir am Samstag, den 06. Juli, noch die Show von Freedom Call mit. Die Happy-Metalband aus Nürnberg verbreitet nämlich immer gute Laune, animiert zum Mitsingen und lässt keine Füße stillstehen. Frontmann Chris Bay grinste auch an diesem Tag das Publikum an und freute sich über den Festivalauftritt. Das Publikum jubelte ebenfalls erfreut zurück und ließt einige Crowdsurfer über die Hände bis nach vorne schweben. Freedom Call machten ordentlich Werbung für ihr am 23. August erscheinendes neues Album „M.E.T.A.L.“ und sorgten dabei für Neugier und Begeisterung. Ich bin mir sicher, dass die Franken nach diesem Auftritt den einen oder anderen Fan dazugewonnen haben und auf der anstehenden Herbst-Tour wiederfinden werden.

Nach der Show war es an der Zeit die Zelte und das Gepäck zu verstauen und sich zu verabschieden. Am frühen Abend waren wir gut zu Hause angekommen und glücklich darüber, dem Regen entkommen zu sein, mit dem sich die restlichen Festivalbesucher quälen mussten. Wir blicken zurück auf ein grandioses Festival mit tollem Line-Up, gutem Essen, exklusiven Ständen, einer lückenlosen Organisation und einem fabelhaften Aufenthalt. Schön war’s! Rockharz, wir kommen wieder!

Wer nicht viel lesen möchte, sondern nur fix einen Eindruck vom Festival erhalten möchte, schaut sich den Aftermovie-Clip vom ROCKHARZ 2019 an: http://bit.ly/2Y5sJKD

Line-Up:
FROM NORTH, BROTHERS OF METAL, VADER, COMBICHRIST, J.B.O., U.D.O., BLOODRED HOURGLASS, STAM1NA, NERVOSA, LACRIMAS PROFUNDERE, THE UNGUIDED, VAN CANTO, COPPELIUS, FEUERSCHWANZ, OVERKILL, LORDI, HÄMATOM, WINTERSUN, CRADLE OF FILTH, AMON AMARTH, WITT, ELVELLON, MILKING THE GOATMACHINE, NAILED TO OBSCURITY, WARKINGS, ELVENKING, MR. IRISH BASTARD, OMNIUM GATHERUM, THE NIGHT FLIGHT ORCHESTRA, KISSIN DYNAMITE, CALIBAN, SOILWORK, DRAGONFORCE, HYPOCRISY, SALTATIO MORTIS, DIMMU BORGIR, RUSSKAJA HEIDEVOLK, FOLLOW THE CIPHER, HELL BOULEVARD, VISIONS OF ATLANTIS, FREEDOM CALL, BURNING WITCHES, GRAND MAGUS, ANVIL, HARDLINE, GRAVE, KÄRBHOLZ, LEGION OF THE DAMNED, MONO INC, EPICA, KORPIKLAANI, CHILDREN OF BODOM, THE O’REILLYS & THE PADDYHATS, APOCALYPSE ORCHESTRA

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