15.06.19 AC/DYNAMITE

Holstenköste 2019, Neumünster

Am vergangenen Samstagabend trieb es mich erstmalig auf die Holstenköste nach Neumünster – dem zweitgrößten Volksfest Schleswig-Holsteins, neben der Kieler Woche. Hier wird den Einheimischen und Touristen jedes Jahr im Sommer ein tolles mehrtägiges Programm geboten: Stände, Ausstellungen, Fahrgeschäfte, Livemusik und dazu eine kräftige Portion Jahrmarkt-Atmosphäre, umhüllt in dem süßen Duft von Zuckerwatte und Lebkuchenherzen.

Am Samstag wurde die Band AC/DYNAMITE als Headliner auf der großen VR-Bank-Bühne gebucht und sollte für jede Menge Rock ’n‘ Roll sorgen. Ich habe die fünf Hamburger Jungs schon öfters live gesehen und kann guten Gewissens sagen: Diese hanseatische Formation ist ein echter Geheimtipp und überzeugt durch schnörkellose und authentische Covernummern der australischen Hardrocker AC/DC!

Sind wir mal ehrlich: Es gibt unzählig viele AC/DC-Tribute-Bands auf diesem Planeten, die auf Volksfesten, Dorftreffs,  Firmenfeiern, Geburtstagen und Open-Airs spielen. Auch viele Rockbands, die eigentlich ihren eigenen Stil gefunden haben, nehmen gerne die ein oder andere AC/DC-Covernummer in ihre Setlist auf, um das Publikum anzuheizen und für sich zu gewinnen. Ich wette mit euch, dass ihr auch schon einmal solch einen „Abklatsch“ live gesehen habt. Aber wenn man es sich zur Aufgabe macht, die Hits dieser Musiklegende zu covern, sollte man auch etwas drauf haben. Und soll ich euch etwas verraten? AC/Dynamite haben es verdammt nochmal drauf! Einige Songs gefallen mir sogar besser als das Original, aber das ist nur meine persönliche Meinung. 😉

AC/DYNAMITE gehören schon seit Jahren fest in die Hamburger Musikszene. Die fünf Freunde, die aus den verschiedensten Bands zusammengefunden haben (Ex-Ohrenfeindt, Hardbone, Torfrock u.v.m.), verbindet ganz einfach ein gemeinsamer Nenner: Die Lieblingsmucke der australischen Rocker. Und mit genau dieser Musik begeistern sie das Publikum!
Die Jungs brauchen keine Angus-Young-Schuluniform,  Brian-Johnson-Schiebermütze oder aufwendige Pyrotechnik, um eine mitreißende Show auf die Beine zu stellen. Die Nordlichter überzeugen durch authentische und leidenschaftliche Spielfreude, musikalisches Talent, einen ansteckenden Groove, sowie einer großen Portion Wortwitz und Charme.

Am vergangenen Samstag versammelten sich schon etliche AC/DC-Fans vor der VR-Bank-Bühne noch bevor der Headliner des Abends überhaupt die Bühne betrat. Die Besucher der Holstenköste schienen sich schon auf die Hamburger zu freuen – zurecht!
Um 23:00 Uhr war es dann soweit: AC/DYNAMITE eröffneten ihr zweistündiges Set mit der gut gewählten Nummer „Hell Ain’t A Bad Place To Be“ und zeigten sofort, wo der Hammer hängt. Das Publikum wurde sogleich nach den ersten Takten abgeholt und mitgerissen. Ich freute mich an dieser Stelle sehr darüber, dass sich der Bühnensound wesentlich verbessert hatte, denn noch bei der vorherigen Band verzog ich das Gesicht, da der Sound übersteuert und viel zu laut eingestellt war. Zum Glück brauchten wir nun unsere Ohren nicht weiter auf die Folter spannen und konnten die Show genießen.
Der Sänger Tim Dammann begrüßte das Publikum mit den Worten: „Wir wurden eben vor der Show gefragt, ob wir auch „Wonderwall“ von Oasis spielen können… Ich glaube, ihr wisst jetzt, was wir für Musik machen“ 😀 Danach folgte mit „Shot Down In Flames“ eines meiner Lieblingslieder. Hier stehen Tim und Leadgitarrist Dennis Henning, der selbstverständlich eine rote Gibson SG spielt, nah beieinander und spielen einen songtypischen Part gemeinsam: Dennis wandert auf dem Gitarrenhals auf und ab und Tim macht das gleiche pantomimisch synchron. Coole Showeinlage! 🙂
Auch bei den darauffolgenden Songs „Shoot To Thrill“,“Rock Or Bust“ und „Thunderstruck“ ließ die Stimmung nicht nach und immer mehr Leute versammelten sich vor der Bühne. AC/DYNAMITE zählen zweifelsfrei zu den wenigen Tribute-Bands, die sich musikalisch ganz nah am Sound des Originals bewegen. Nicht zuletzt dank der Stimme von Sänger Tim Dammann.

Ich beobachtete von Titel zu Titel, wie viel Spaß die durchaus gut angetrunkenen Besucher hatten. Hier vor der Bühne war jedes Alter vertreten. Ich sah sogar Kinder, die die Metalhand gen Himmel streckten und mit Mama und Papa ordentlich abrockten. Auch die ältere Generation wurde mitgerissen und wippte zufrieden im Takt und einige Typen hingen sich in den Armen und gröhlten textsicher mit. Diese Musik begeistert eben die Masse! Angus Young sagte in einem Interview nicht umsonst: „I’m sick to death of people saying we’ve made 11 albums that sounds exactly the same. Infact, we’ve made 12 albums that sound exactly the same!“ – mittlerweile sind es sogar 16 Studioalben und er hat verdammt recht! Aber warum muss sich eine Band mit jedem Album neu erfinden, wenn das, was sie machen, funktioniert?!

Als nächstes wurde mein Lieblingssong „Gone Shootin‘“ gespielt – der groovt so schön! An dieser Stelle forderte Sänger Tim uns auf, ein wenig die Hüften kreisen zu lassen und stieg auf der Bühne mit ein. Beschwingt ging es weiter mit „Back In Black“ und „Down Payment Blues“ Meiner Meinung nach, war die Setlist super zusammengestellt und es fehlte mir an keinem Song. Alle Hits waren vertreten – vor allem freute sich das Publikum auf „T.N.T.“ & Co, aber auch die eher unbekannteren Nummern, wie „Sin City“ und „Riff Raff“ brachten die Rockfans nicht zum Stillstehen.

Neben Sänger Tim und Gitarrist Dennis besteht die Band außerdem aus Schlagzeuger Flash Ostrock, Rhythmusgitarrist Tim Black und Bassist Sven Berger. Bei diesem Konzert gab es jedoch eine kleine Änderung der Besetzung, denn Bassist Sven war anderweitig verhindert. Der langjährige Freund Tommy Lindemann (Gitarrist Hardbone) sprang für Tim an der Gitarre ein und dieser übernahm den Bass-Part. Würde ich die Jungs nicht kennen, hätte ich nicht gemerkt, dass die ursprüngliche Besetzung verändert wurde. Tommy hat einen grandiosen Job gemacht!

Bei „Whole Lotta Rosie“ färbte sich das Licht rosa und sorgte für noch mehr Stimmung!  Generell kam das Licht an diesem Abend super zur Geltung. Ein Open-Air-Konzert ist eben ganz anders als eine kleine Club-Show. Hier war die Bühne groß, die Jungs konnten sich austoben und das Bühnenlicht verlieh den Songs noch ein bisschen mehr Ausdruck. Manchmal wurden wir Zuschauer sogar geblendet, aber nichtsdestotrotz war das Licht ein super Effekt.

Doch leider neigt sich auch jedes gute Konzert einmal dem Ende entgegen und mit „Let There Be Rock“ gingen AC/DYNAMITE wortlos von der Bühne. Für den einen oder anderen Zuschauer mag das vielleicht komisch ausgesehen haben, wenn die Band so ganz ohne offizielle Verabschiedung von der Bühne verschwindet, aber ich kenne die Show der Jungs, wie gesagt, schon und weiß, dass am Ende immer eine würdige Verabschiedung erfolgt, die sogar Luftküsse beinhaltet. Dementsprechend war ich auch nicht von den lauten Zugabe-Rufen überrascht, denn diese gibt es normalerweise nach jedem AC/DYNAMITE-Konzert, weil die Jungs live einfach überzeugen.
Das Intro von „Hells Bells“ ertönte und die Musiker traten wieder auf die Bühne. Einige Holstenköste-Besucher hatten wohl schon ein paar Bier zu viel getrunken und sorgten für einen kurzen Zwischenfall, der aber gekonnt überspielt wurde und das Publikum nicht davon abbringen ließ, die Band weiter zu feiern und mit „Highway To Hell“ eine weitere Zugabe zu fordern! Nachdem „If You Want Blood (You Got It)“ als letztes Lied des Abends noch einmal ausgiebig zelebriert wurde, traten die Hamburger in einer Reihe an den Bühnenrand und bedankten sich zusammen mit Organisatorin Kirsten Gerlach für den grandiosen Rockabend! Und auch Luftküsse wurden verteilt! 😉 Zu guter Letzt amüsierte es mich, dass gleich nach dem Konzert der Song „Wonderwall“ aus den Lautsprecherboxen dröhnte und somit den Abend zu einer runden Sachen machte.

Wer die Jungs gerne einmal live erleben möchte, hat dieses Jahr noch zwei Mal die Gelegenheit dazu:
16. August: Downtown Blues Club, Hamburg
22. August: Reload Festival, Sulingen
Das solltet ihr lieber nicht verpassen! 😉

Setlist:
01. HELL AIN’T A BAD PLACE TO BE
02. SHOT DOWN IN FLAMES
03. SHOOT TO THRILL
04. ROCK OR BUST
05. THUNDERSTRUCK
06. BAD BOY BOOGIE
07. SIN CITY
08. RIFF RAFF
09. GONE SHOOTIN’
10. BACK IN BLACK
11. DOWN PAYMENT BLUES
12. HARD AS A ROCK
13. STIFF UPPER LIP
14. HIGH VOLTAGE
15. HAVE A DRINK ON ME
16. YOU SHOOK ME ALL NIGHT LONG
17. WHOLE LOTTA ROSIE
18. T.N.T.
19. LET THERE BE ROCK
Zugaben:
20. HELLS BELLS
21. HIGHWAY TO HELL
22. IF YOU WANT BLOOD (YOU GOT IT)