Bülent Ceylan – Nichts Besonderes

Nichts Besonderes

Künstler: Bülent Ceylan
Album: Nichts Besonderes
Label: Ceylan Records
V.Ö.: 2014
Spielzeit: 00:23:50min
Bewertung: 7 von 10 Punkten
Onlinekauf: Amazon
Redakteur: Ina Infernal

Tracklist:
1. Nichts Besonderes
2. Nein !
3. L.I.E.B.
4.  Houseordnung
5. Ruh Im Hof
6. Geradeaus
7. Nichts Besonderes (Live)

Wer schon einmal das Vergnügen hatte Bülent Ceylan bei einem seiner Liveauftritte zu sehen, weiß, dass er gut unterhalten wurde. Wer als Metalhead beim Liveauftritt dabei war, hat sich garantiert wohl gefühlt. Bülent Ceylan, der langhaarige Heavy-Metal-Türke, der in Mannheim groß geworden ist, lässt seine Liebe zur härteren Musikszene unschwer erkennen. Zu Showbeginn tritt er mit fetten Gitarrenriffs aus den Boxen dröhnend, headbangend im schwarzen T-Shirt auf die Bühne, das Intro endet mit feurigen Pyroeffekten, die Rockhand streckt er stolz nach oben und vor der Halle verziert ein Totenkopf seinen Tourbus. Was für ein Mann! Und nun kann er auch noch singen?!

Das auf den ersten Blick unscheinbar wirkende Album „Nichts Besonderes“ wurde 2014 vom Label Ceylan Records veröffentlicht und beinhaltet 7 sehr unterschiedliche Tracks.

Der Opener „Nichts Besonderes“ legt als Titelsong die Messlatte leider nicht besonders hoch. Dieser Song ist sehr ruhig und schwermütig. Dem harten Metalfan fehlt hier der gewisse Knall, den man eigentlich von Bülent erwartet hätte – vergleichsweise so, wie er normalerweise auf die Bühne tritt. Stattdessen drücken Textzeilen wie „Willst du ’ne bessere Welt, beginn‘ mit Einem, den du selbst im Spiegel siehst“ auf die Tränendrüse und lassen den harten Metalliebhaber doch eher ganz weich aussehen. Die Liveversion des Songs bildet später das Schlusslicht des Albums. Live sogar besser performt als auf der CD.

Noch total in depressiver Trauer versunken, wird man beim zweiten Song sofort aus den Gedanken gerissen. Langeweile?  „Nein!“ – Na bitte, da haben wir ihn, den Knall! Mit einem kräftigen „Roaaaar“ startet der Song kraftvoll und definiert sich als ein starkes Anti-Nazi-Statement. Die „braune Soße“ braucht niemand. Fette Riffs, gängige Passagen. Erinnert an Rammstein. Geil!

L.I.E.B.„, „Houseordnung“ und „Ruh Im Hof“ sind die nächsten drei Songs und beziehen sich auf den von Bülent ins Leben gerufenen Charakter Mompfred Bockenauer. Mit dem mürrischen Hausmeister aus Mannheim sollte man sich lieber nicht anlegen. Mompfred peppt die Songs durch frechen Dialekt und Sprechgesang auf und erinnert dabei teilweise sogar an J.B.O. Aber Metal und Comedy passen ja bekanntlich gut zusammen.

Dann wird es wieder ruhig. „Geradeaus“ ist eine angenehme Ballade und richtet sich ans Weitermachen, Wiederaufstehen und Kämpfen. Denn „nur ein toter Fisch schwimmt noch mit dem Strom“. Ein echter Mutmacher! Eignet sich hervorragend, um in Gedanken zu versinken.

Fazit: Bülents Album kann man sich mal geben und ist auf jeden Fall ganz lustig. Hört ruhig mal rein. Aber waschechte Metalheads kommen nicht wirklich auf ihre Kosten. Schade!