17.11.18 Gus G

Rostock, Zwischenbau
Rezension von Ina

Support: Magical Heart und Maxxwell

Vor einem halben Jahr war Gus G, der Ex-Gitarrist vom “Prince of Darkness” Ozzy Osbourne, auf Tour und machte auch in Hamburg Halt. Ich war ganz traurig, dass ich verhindert war und nicht am Gig in der freien Hansestadt dabei sein konnte. Als dann einige Monate später verkündet wurde, dass der Saitenhexer mit seiner “Fearless European Tour 2018” nach Rostock kommt, konnte ich es gar nicht glauben. In meine Ecke? So ein grandioser Gitarrist? Nichts wie hin!

Rostock ist dafür bekannt, dass kleinere Clubshows meistens kein “Sold Out” erreichen und die Konzerte eher spärlich besucht sind. Uns Nordis muss man eben zu unserem Glück zwingen 😉 Mich wunderte es also nicht, dass Gus G in der kleinen Location „Zwischenbau“ spielen sollte. In den Laden passen geschätzt 400 Besucher, was dem großen Guitarhero leider gar nicht gerecht wird, aber immerhin sollte er nach Rostock kommen und ich freute mich riesig.

Als Support waren Magical Heart, die vier Melodic-Rocker aus München und das Hardrock-Quintett Maxxwell aus der Schweiz dabei. Letztere hatte ich bereits 2016 als Support von Kissin‘ Dynamite (Generation Goodbye Tour) erleben dürfen und hatte sie in guter Erinnerung. Mit Vorbands ist das ja immer so eine Sache… 😉

Als Magical Heart auf die Bühne traten und den Samstagabend eröffneten, war ich positiv überrascht. Die Vier wirkten sofort sympathisch und steckten mit ihren melodischen Songs an. Bedauerlicherweise war der Sound am Anfang durch technische Probleme eingeschränkt, aber die Münchner ließen sich davon nicht einschüchtern und rockten ordentlich ab. Nach ihrem halbstündigen Set verließ Frontmann Chris die Bühne mit zufriedenen Worten an die Gäste: „Ihr seid alle Magic!“ 🙂

Dann war es Zeit, die verrückten Schweizer ins Rampenlicht zu stellen. Ab dem ersten Song war eine unfassbar große Energie im Raum. Die fünf Hardrocker legten sich mächtig ins Zeug und gaben sichtlich alles. Sänger Gilbi war gar nicht mehr zu bremsen, sprang wild auf der Bühne umher und wirbelte sein Mikro wie ein Lasso in der Luft umher, als hätte er zu viel Energie und wüsste nicht, wohin damit. Das war auf jeden Fall super amüsant und machte Lust auf mehr. Das Rostocker Publikum musste jedoch erst noch ein wenig wachgerüttelt werden. Desöfteren machten wir wohl den Anschein, als würden wir schon eingeschlafen sein. Nur die ersten zwei Reihen tobten würdevoll mit. Als nächstes ergriff Rhythmusgitarrist Cyril das Wort und kündigte den nächsten Song an: „Wir haben ein kleines Geschenk für euch“. Gespannt waren wir alle. Plötzlich sprang Gilbi in einem silbernen Anzug und mit Sonnenbrille auf die Bühne und gab den Song „Metalized“ zum Besten. Was für eine coole Showeinlage! Kurze Zeit später gingen Maxxwell von der Bühne und wurde mit „Ricola“-Zugaberufen aus dem Publikum aus dem Backstage gelockt. Als dann „Queen Of The Night“ als Zugabe folgte, schien Rostock endlich aufgetaut zu sein und feierte kräftig mit.

Der sehr gut gefüllte Saal des Zwischenbaus lichtete sich etwas in der Umbaupause. Viele Konzertgänger nutzten die Pause vor dem Headliner zum Rauchen oder Bierholen. Das war meine Chance in die vorderen Reihen zu kommen und mich neben die älteren Herren zu positionieren, die Gus G wohl noch aus Ozzys Zeiten kannten…

Im Schlepptau hatte Gus G zwei talentierte Musiker: Schlagzeuger Milos Meier und Sänger und Bassist Dennis Ward (Pink Cream 69 / Unisonic). Die drei Künstler bildeten eine sehr harmonische Formation und versprachen einen erstklassigen Abend. Gus entschuldigte sich schon im Voraus für eventuell einschleichende Fehlerteufel und war ein bisschen aufgeregt. Das Konzert in Rostock war nämlich der Tour-Auftakt und den Jungs fehlte noch die Routine. Das fiel während des Konzert aber kaum auf.

Die Setlist war meiner Meinung nach gut gewählt und enthielt eine abwechslungsreiche Mischung aus alten und neuen Songs. Der Opener war selbstverständlich „Fearless“ – der Song zum gleichnamigen neusten Album von Gus G. Weiter ging es mit dem Klassiker „My Will“, der die Besucher ordentlich eingroovte. Gus wechselte desöfteren von seiner edlen schwarzen Signature-Jackson-Gitarre zur schicken weißen. Mir als kleiner E-Gitarren-Fan ging dabei sofort das Herz auf, ganz besonders, als Gus sich ganz leidenschaftlich im Solo verlor. Aber nicht nur der Gitarrenhexer gibt sich seinem Instrument hin. Auch Milos sieht man an, dass er Spaß hinter seiner Schießbude hat. Nach ca. der Hälfte des Sets war es an der Zeit für sein Drumsolo. Dieses spielte er faszinierenderweise mit einem breiten Dauergrinsen, das so ziemlich alle Leute im Raum angesteckt haben müsste. Gut gelaunt ging es dann mit den kraftvollen Songs „Big City“ und „Thrill Of The Chase“ weiter. Ich beobachtete Sänger Dennis beim Headbangen im Takt und freute mich, dass dieses Konzert so grandios war.

Doch wie heißt der bekannte Spruch? „All good things must come to an end“ und so hatte auch dieser Abend ein absehbares Ende. Wir rockten noch einmal gewaltig ab zum Ohrwurm “I Am The Fire” und wurden dann mit “The Quest” nach Hause geschickt. Was für eine Rockshow!

Setlist:
01 Fearless
02 My Will
03 Burn
04 Mr. Manson
05 Venegance
06 Don’t Tread On Me
07 What Lies Below
08 Letting Go
09 Cold Sweat
10. Drum Solo
11. Big City
12. Thrill Of The Chase
13. Force Majeure
14. Money For Nothing
15. I Am The Fire
16. The Quest